📅 Aktualisiert: 24. August 2026•🕐 18 Min. Lesezeit•🏷️ Gründung

Gewerbe anmelden in Österreich 2026: Kosten, Ablauf & komplette Checkliste

Du willst dich selbstständig machen? Die Gewerbeanmeldung in Österreich ist der erste formelle Schritt. Hier erfährst du alles — von freiem vs. reglementiertem Gewerbe über Kosten und Unterlagen bis hin zur vollständigen Checkliste nach der Anmeldung.

TL;DR — Gewerbe anmelden auf einen Blick

  • ✓Freie Gewerbe (IT, Design, Handel) können ohne Befähigungsnachweis online via GISA in wenigen Minuten angemeldet werden.
  • ✓Kosten: Die Gewerbeanmeldung selbst ist kostenlos (laut WKO). Laufende WKO- und SVS-Beiträge kommen danach; das NeuFöG kann weitere gründungsnahe Gebühren und Abgaben begünstigen.
  • ✓Nach der Anmeldung: Finanzamt-Registrierung (FinanzOnline), SVS-Anmeldung bestätigen, Geschäftskonto eröffnen und Buchhaltung einrichten.
  • ✓Kleinunternehmerregelung: Bis zur Umsatzgrenze keine Umsatzsteuer — ideal für den Start als EPU.

1. Welche Gewerbearten gibt es in Österreich?

Das österreichische Gewerberecht unterscheidet grundlegend zwischen freien Gewerben und reglementierten Gewerben. Diese Unterscheidung hat direkte Auswirkungen darauf, wie aufwendig deine Anmeldung ist und welche Nachweise du erbringen musst.

✅ Freies Gewerbe

Kein Befähigungsnachweis erforderlich. Die Anmeldung ist unkompliziert und kann online in wenigen Minuten erledigt werden. Das ist der häufigste Einstieg für EPU.

Beispiele:

  • IT-Dienstleistungen / Webdesign
  • Unternehmensberatung
  • Grafik & Design
  • Textdienstleistungen / Texter
  • Fotografie (gewerblich)
  • Online-Handel / E-Commerce
  • Social Media Management
  • Markt- und Meinungsforschung

📋 Reglementiertes Gewerbe

Befähigungsnachweis notwendig (Meisterprüfung, Studium, Berufserfahrung etc.). Die Prüfung des Nachweises kann einige Tage dauern.

Beispiele:

  • Tischler, Elektriker, Installateur
  • Friseur & Kosmetik
  • Gastgewerbe
  • Immobilienvermittlung
  • Sicherheitsgewerbe
  • Steuerberatung
  • Baumeister
  • Versicherungsvermittlung

💡 Tipp: Teilgewerbe als Zwischenlösung

Neben freien und reglementierten Gewerben gibt es noch Teilgewerbe — vereinfachte Formen für bestimmte handwerkliche Tätigkeiten mit reduziertem Tätigkeitsumfang. Sie erfordern einen vereinfachten Befähigungsnachweis (z.B. einschlägige Ausbildung oder Praxis). Aktuelle Liste der Teilgewerbe findest du auf wko.at.

🔍 Gewerbe vs. Neue Selbstständigkeit — was gilt für mich?

Nicht jede selbstständige Tätigkeit ist ein Gewerbe. Neue Selbstständige (z.B. Vortragende, Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler) üben keinen gewerblichen Beruf aus und benötigen keinen Gewerbeschein. Sie sind nicht WKO-Mitglied, müssen sich aber dennoch bei der SVS und beim Finanzamt registrieren. Wenn du dir unsicher bist, welche Kategorie auf dich zutrifft, hilft dir das WKO Gründerservice weiter.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob deine geplante Tätigkeit als freies oder reglementiertes Gewerbe gilt, hilft dir die WKO-Gewerbeinfo oder die GISA-Gewerbeliste weiter. Die GISA-Datenbank enthält alle in Österreich angemeldeten Gewerbe und ist öffentlich einsehbar.

Wichtig zu wissen: Die Wahl des Gewerbetyps hat auch Auswirkungen auf deine WKO-Fachgruppenzugehörigkeit und damit auf die Höhe deiner Mitgliedsbeiträge. Manche Tätigkeiten lassen sich unter verschiedenen Gewerbebezeichnungen anmelden — hier lohnt sich eine Beratung beim WKO Gründerservice, um die günstigste Variante zu finden.

Übrigens: Du kannst dein Gewerbe jederzeit ruhend melden oder abmelden, wenn du die Tätigkeit nicht mehr ausüben möchtest. Auch eine Erweiterung um zusätzliche Gewerbe ist jederzeit möglich. Die Flexibilität ist also hoch — du bindest dich mit der Gewerbeanmeldung nicht lebenslang.

2. Welche Voraussetzungen und Unterlagen brauche ich?

Bevor du das Gewerbe anmeldest, musst du einige grundlegende Voraussetzungen erfüllen. Die gute Nachricht: Für freie Gewerbe ist die Hürde bewusst niedrig gehalten.

Persönliche Voraussetzungen

  • ✓Vollendetes 18. Lebensjahr (Ausnahmen mit Genehmigung des Gerichts möglich)
  • ✓Österreichische Staatsbürgerschaft, EU/EWR-Staatsangehörigkeit oder entsprechender Aufenthaltstitel
  • ✓Keine aufrechte Untersagung der Gewerbeausübung
  • ✓Kein einschlägiges Insolvenzverfahren (je nach Gewerbe)
  • ✓ID Austria (ehemals Handy-Signatur) für die Online-Anmeldung

Benötigte Unterlagen (freies Gewerbe)

  • 📄Lichtbildausweis (Reisepass oder Personalausweis)
  • 📄Meldezettel (Nachweis des Wohnsitzes in Österreich)
  • 📄Angabe der Betriebsstättenadresse (kann auch deine Wohnadresse sein)
  • 📄Sozialversicherungsnummer (SVNR)
  • 📄Genaue Bezeichnung der gewerblichen Tätigkeit (gemäß GISA-Gewerbeliste)

Reglementiertes Gewerbe: Zusätzlich erforderlich

  • 📋Befähigungsnachweis (Meisterbrief, Studienabschluss, Zeugnisse über Berufserfahrung etc.)
  • 📋Bei fehlender eigener Qualifikation: Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers
  • 📋Ggf. Strafregisterbescheinigung (je nach Gewerbeart)

3. Wie läuft die Gewerbeanmeldung ab?

Die Gewerbeanmeldung in Österreich ist heute weitgehend digitalisiert. Du hast mehrere Wege — der schnellste ist die Online-Anmeldung:

1

Online via GISA / WKO (empfohlen)

Das GISA (Gewerbeinformationssystem Austria) ermöglicht die Anmeldung vieler freier Gewerbe direkt online. Alternativ bietet die WKO auf ihrer Website einen geführten Prozess an. Du benötigst dafür eine ID Austria (ehemals Handy-Signatur). Die Gewerbeberechtigung tritt sofort mit der Anmeldung in Kraft.

2

Persönlich bei der Bezirksverwaltungsbehörde

Du kannst das Gewerbe auch direkt bei der Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat anmelden. Bring alle erforderlichen Unterlagen mit. In Wien ist das die zuständige Magistratsabteilung (MA 63).

3

WKO Gründerservice

Für alle, die erstmals gründen: Das kostenlose Gründerservice der WKO begleitet dich durch den gesamten Prozess — persönlich, telefonisch oder per Video-Call. Besonders empfehlenswert, wenn du mehrere Gewerbe anmelden willst oder unsicher bist, welche Gewerbeform zu dir passt.

⚡ Wie schnell geht es?

Bei freien Gewerben ist die Online-Anmeldung oft in wenigen Minuten erledigt. Die Gewerbeberechtigung tritt grundsätzlich mit dem Tag der Anmeldung in Kraft — du musst nicht auf eine Bestätigung warten, um zu starten. Bei reglementierten Gewerben kann die Prüfung des Befähigungsnachweises einige Tage bis Wochen dauern.

💡 NeuFöG: Abgaben sparen bei der Neugründung

Für die Gewerbeanmeldung selbst brauchst du kein NeuFöG — sie ist ohnehin kostenlos und das NeuFöG ist keine Voraussetzung dafür. Das Neugründerförderungsgesetz (NeuFöG) kann aber andere unmittelbar gründungsbezogene Gebühren und Abgaben begünstigen (z.B. Stempelgebühren und Bundesverwaltungsabgaben für weitere Amtswege oder die Grunderwerbsteuer bei der Einbringung von Grundstücken in eine neu gegründete Gesellschaft). Die Erklärung (Formular NeuFö 2) erhältst du beim WKO Gründerservice und legst sie der jeweiligen Behörde vor. Details: WKO — Neugründungs-Förderungsgesetz

4. Was kostet die Gewerbeanmeldung in Österreich?

Die wichtigste Nachricht zuerst: Die Gewerbeanmeldung ist kostenlos. Das sagt die WKO ausdrücklich in ihrem offiziellen Überblick zur Gewerbeanmeldung. Kosten entstehen erst danach — durch laufende Beiträge (WKO, SVS) und ggf. separate Nachweise oder Prüfungen bei reglementierten Gewerben:

KostenpositionBetrag (ca.)Hinweis
Gewerbeanmeldung (einmalig)€ 0Die Gewerbeanmeldung ist kostenlos — unabhängig von NeuFöG, Bundesland und Anmeldeweg (Quelle: WKO).
WKO Grundumlage (laufend)variiertJährlicher Mitgliedsbeitrag, abhängig von Fachgruppe und Bundesland. Aktuelle Beträge auf wko.at.
SVS-Beiträge (laufend)einkommensabhängigKranken-, Pensions- und Unfallversicherung. Zu Beginn gelten vorläufige Mindestbeitragsgrundlagen; aktuelle Sätze auf svs.at.
Befähigungsnachweis / Prüfungen (separat)je nach GewerbeNur bei reglementierten Gewerben und getrennt von der (kostenlosen) Anmeldung: z.B. Prüfungsgebühren für Meister- oder Befähigungsprüfung.

⚠️ Wichtiger Hinweis: Die Gewerbeanmeldung selbst bleibt kostenlos. Die Höhe der laufenden Beiträge (WKO-Umlagen, SVS) ändert sich aber regelmäßig — aktuelle Beträge findest du auf wko.at und svs.at.

Bedenke: Auch wenn die Gewerbeanmeldung selbst nichts kostet, kommen danach laufende Beiträge für die SVS (Sozialversicherung) und die WKO-Mitgliedschaft hinzu. Plane diese fixen Kosten unbedingt in dein Budget ein, bevor du dich selbstständig machst. Ein Finanzplan für die ersten 12 Monate hilft, böse Überraschungen zu vermeiden.

Tipp: Das NeuFöG (Neugründerförderungsgesetz) ist für die Gewerbeanmeldung selbst nicht nötig — die ist kostenlos. Es kann aber andere unmittelbar gründungsbezogene Gebühren und Abgaben begünstigen, etwa Stempelgebühren und Bundesverwaltungsabgaben für weitere Amtswege oder die Grunderwerbsteuer bei der Einbringung von Grundstücken in eine neu gegründete Gesellschaft. Wichtig: Die NeuFöG-Erklärung muss der jeweiligen Behörde vorab bzw. bei Inanspruchnahme vorgelegt werden — eine nachträgliche Erstattung ist nicht vorgesehen.

Willst du im Detail wissen, welche Kosten als EPU auf dich zukommen? EPU-Gründung: Alle Kosten im Überblick →

5. Was bedeutet die WKO-Pflichtmitgliedschaft?

Mit der Gewerbeanmeldung wirst du automatisch Pflichtmitglied der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Das ist gesetzlich geregelt und nicht optional. Die Kehrseite: Die WKO bietet zahlreiche Leistungen, die du als Mitglied kostenlos nutzen kannst.

Kosten der WKO-Mitgliedschaft

  • ✦ Grundumlage (je nach Fachgruppe)
  • ✦ Landeskammerumlage
  • ✦ Höhe variiert nach Bundesland — aktuelle Beträge auf wko.at

Was du dafür bekommst

  • ✦ Kostenlose Rechtsberatung
  • ✦ Gründerberatung & Förderungen
  • ✦ Bildungsangebote & Kurse
  • ✦ Musterverträge & Vorlagen
  • ✦ SVA-Beratung & Unterstützung

Nutze das WKO Gründerservice aktiv — besonders in der Anfangsphase ist die kostenlose Beratung sehr wertvoll. Du bekommst Antworten auf steuerliche, gewerberechtliche und betriebswirtschaftliche Fragen.

6. Wie funktioniert die SVS-Sozialversicherung?

Als Gewerbetreibende(r) bist du bei der SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen) pflichtversichert. Die SVS übernimmt Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Neuen Selbstständigkeit, bei der die SVS-Pflicht erst ab einer bestimmten Einkommensgrenze greift.

Wie läuft die SVS-Anmeldung?

Die WKO meldet dich in der Regel automatisch bei der SVS, sobald du das Gewerbe angemeldet hast. Du erhältst dann Post von der SVS mit weiteren Informationen zu deinen Beiträgen. Prüfe das Schreiben und bestätige die Daten.

Beitragshöhe & Mindestbeiträge

Die SVS-Beiträge richten sich nach deinem tatsächlichen Einkommen. Zu Beginn werden vorläufige Mindestbeiträge auf Basis der Beitragsgrundlage verrechnet. Nach Vorlage des Steuerbescheids erfolgt eine Nachbemessung — das kann zu Nachzahlungen oder Gutschriften führen. Aktuelle Beitragssätze und Mindestbeträge findest du auf svs.at.

Neugründerförderung & Erleichterungen

Für die Anfangszeit der Selbstständigkeit gibt es unter Umständen reduzierte SVS-Beiträge oder Stundungsmöglichkeiten. Welche Erleichterungen für dich infrage kommen, klärst du am besten direkt mit der SVS oder in der WKO-Gründerberatung.

Alle Details zu den SVS-Beiträgen findest du hier: SVS-Beiträge für EPU 2026: Höhe, Berechnung & Tipps →

7. Wie registriere ich mich beim Finanzamt?

Die Gewerbeanmeldung allein genügt nicht — du musst dich auch beim Finanzamt steuerlich erfassen lassen. Das ist eine eigene Pflicht und sollte zeitnah nach der Gewerbeanmeldung erledigt werden.

Lies dazu unseren ausführlichen Guide: Finanzamt Registrierung als EPU: So geht's richtig →

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • →Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen (online via FinanzOnline oder beim Finanzamt)
  • →Steuernummer beantragen
  • →Entscheiden: Kleinunternehmerregelung oder reguläre Umsatzsteuer
  • →UID-Nummer beantragen (spätestens wenn du über die Kleinunternehmergrenze kommst oder EU-Geschäfte machst)

💡 FinanzOnline einrichten

FinanzOnline ist das elektronische Portal der österreichischen Finanzverwaltung. Als Gewerbetreibende(r) brauchst du es regelmäßig — für die Steuererklärung, Umsatzsteuervoranmeldungen und den Bescheid-Abruf. Die Erstregistrierung funktioniert mit ID Austria. Richte dir den Zugang gleich nach der Gewerbeanmeldung ein, damit du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung direkt online ausfüllen kannst.

Beim Fragebogen zur steuerlichen Erfassung wirst du unter anderem gefragt, ob du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchtest und mit welchem voraussichtlichen Jahresumsatz du rechnest. Diese Angaben sind wichtig, da das Finanzamt darauf basierend deine Einkommensteuer-Vorauszahlungen festsetzt. Schätze realistisch — zu hohe Angaben führen zu unnötig hohen Vorauszahlungen.

Alles zum Thema USt-Erklärung findest du hier: USt-Erklärung als EPU — Schritt für Schritt →

8. Ist die Kleinunternehmerregelung sinnvoll für den Start?

Viele EPU starten unter der Kleinunternehmerregelung. Das bedeutet: Solange du unter der Umsatzgrenze bleibst, stellst du Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus und musst keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben.

Vorteile der Kleinunternehmerregelung

  • ✓Keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen — günstigere Preise für Privatkunden
  • ✓Keine Umsatzsteuervoranmeldung nötig — weniger Bürokratie
  • ✓Vereinfachte Buchhaltung in der Anlaufphase

Nachteile der Kleinunternehmerregelung

  • ✗Kein Vorsteuerabzug — die USt auf deine Betriebsausgaben kannst du nicht zurückfordern
  • ✗Du musst die Umsatzgrenze im Auge behalten — bei Überschreitung wirst du rückwirkend umsatzsteuerpflichtig
  • ✗Manche B2B-Kunden bevorzugen Rechnungen mit USt, da sie den Vorsteuerabzug geltend machen können

⚠️ Wann die Kleinunternehmerregelung NICHT ideal ist

Wenn du vorwiegend mit anderen Unternehmen (B2B) arbeitest und hohe Betriebsausgaben hast, kann die Option auf Umsatzsteuerpflicht interessant sein — Stichwort Vorsteuerabzug. Du kannst dann die Umsatzsteuer auf deine Einkäufe zurückfordern. Hier lohnt sich Rücksprache mit einem Steuerberater. Beachte: Die Entscheidung zur freiwilligen Umsatzsteuerpflicht bindet dich für mindestens 5 Jahre.

Mehr zum Thema Steuern als Kleinunternehmer: Steuern für Kleinunternehmer 2026: Der komplette Guide →

Was passiert, wenn du die Umsatzgrenze überschreitest? Umsatzgrenze überschritten — was nun? →

9. Kann ich ein Gewerbe nebenberuflich anmelden?

Ja, du kannst ein Gewerbe in Österreich auch neben einem Angestelltenverhältnis anmelden. Viele EPU starten genau so — nebenberuflich, um das Risiko zu minimieren und die Geschäftsidee zu testen.

Das musst du bei der nebenberuflichen Gründung beachten:

  • →Sozialversicherung: Du bist über deinen Arbeitgeber bereits versichert. Die SVS-Beiträge für dein Gewerbe kommen obendrauf — es gelten gesonderte Regelungen für Mehrfachversicherte.
  • →Arbeitgeber informieren: Prüfe deinen Arbeitsvertrag auf Konkurrenz- oder Nebentätigkeitsklauseln. Viele Arbeitsverträge erfordern eine Zustimmung des Arbeitgebers.
  • →Steuererklärung: Einkünfte aus Gewerbe müssen in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Die Einkünfte werden zusammengerechnet.
  • →Kleinunternehmerregelung: Ideal für den nebenberuflichen Start, solange du unter der Umsatzgrenze bleibst.

Ein großer Vorteil der nebenberuflichen Gründung: Du behältst dein festes Einkommen als Sicherheitsnetz und kannst dein Geschäft schrittweise aufbauen. Viele erfolgreiche EPU haben genau so begonnen — erst nach Erreichen eines stabilen Kundenbestands sind sie in die volle Selbstständigkeit gewechselt. Beachte dabei, dass du als Mehrfachversicherter möglicherweise Anspruch auf Differenzbeiträge bei der SVS hast, wenn deine Gesamteinkünfte die Höchstbeitragsgrundlage überschreiten.

Ausführliche Infos zum Thema: Nebenberuflich selbstständig in Österreich: Alles was du wissen musst →

10. Welche Pflichtangaben müssen auf meiner Rechnung stehen?

Sobald dein Gewerbe angemeldet ist und du deine ersten Aufträge erhältst, musst du rechtskonforme Rechnungen stellen. In Österreich gibt es klare gesetzliche Vorgaben, welche Angaben auf jeder Rechnung stehen müssen:

  • →Vollständiger Name und Anschrift des leistenden Unternehmens
  • →Vollständiger Name und Anschrift des Leistungsempfängers
  • →Beschreibung der Leistung (Menge, Art)
  • →Leistungsdatum oder Lieferdatum
  • →Nettobetrag, Steuersatz und Bruttobetrag
  • →Fortlaufende Rechnungsnummer
  • →Rechnungsdatum
  • →UID-Nummer (bei Rechnungen über 10.000 € und bei Reverse-Charge)
  • →Bei Kleinunternehmern: Hinweis auf die Steuerbefreiung ("Umsatzsteuerbefreit gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG")

Detaillierte Infos zu Rechnungen als EPU: Rechnung als EPU: Pflichtangaben & Tipps →

⚡ Tipp: Rechnungen mit Rechnito erstellen

Mit Rechnito erstellst du rechtskonforme Rechnungen in Sekunden — mit allen Pflichtangaben für Österreich, automatischer Nummerierung und der richtigen Kleinunternehmer-Formulierung.

11. Welche Fehler sollte ich bei der Gründung vermeiden?

Die Gewerbeanmeldung selbst ist unkompliziert — aber danach passieren häufig vermeidbare Fehler. Hier die häufigsten Stolperfallen für Gründer in Österreich:

Fehler 1: Finanzamt-Registrierung vergessen

Die Gewerbeanmeldung meldet dich nicht automatisch beim Finanzamt. Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung musst du separat ausfüllen. Machst du das nicht, kannst du keine korrekte Steuernummer bekommen.

Fehler 2: NeuFöG-Begünstigungen verschenkt

Für die Gewerbeanmeldung selbst brauchst du kein NeuFöG — sie ist kostenlos. Für andere gründungsbezogene Gebühren und Abgaben gilt aber: Die NeuFöG-Erklärung muss der jeweiligen Behörde vorab bzw. bei Inanspruchnahme vorgelegt werden, nachträglich ist keine Erstattung vorgesehen. Hole dir das Formular rechtzeitig beim WKO Gründerservice.

Fehler 3: Keine ordentliche Buchhaltung von Anfang an

Auch als Kleinunternehmer bist du zur Aufzeichnung deiner Einnahmen und Ausgaben verpflichtet. Richte dir von Tag 1 eine ordentliche Buchhaltung ein — sei es mit einer Software oder zumindest mit einer strukturierten Excel-Tabelle.

Fehler 4: Privat- und Geschäftskonto nicht trennen

Auch wenn es nicht verpflichtend ist: Ein separates Geschäftskonto spart dir Nerven bei der Buchhaltung und macht die Steuererklärung deutlich einfacher.

Fehler 5: Rechnungen ohne Pflichtangaben

Fehlerhafte Rechnungen können zu Problemen mit dem Finanzamt führen und dein professionelles Image beschädigen. Nutze eine Rechnungssoftware, die alle österreichischen Pflichtangaben automatisch einträgt.

Fehler 6: SVS-Nachzahlungen unterschätzt

Die SVS berechnet deine Beiträge zunächst auf Basis von Mindestbeträgen. Sobald dein Steuerbescheid vorliegt, wird nachbemessen. Wenn du im ersten Jahr gut verdient hast, kann eine saftige Nachzahlung kommen. Lege deshalb von Anfang an Rücklagen für SVS und Einkommensteuer beiseite — ein guter Richtwert sind 25–30 % deines Gewinns.

Fehler 7: Falsche Gewerbebezeichnung gewählt

Die Gewerbebezeichnung bestimmt, welche Tätigkeiten du ausüben darfst. Wähle sie nicht zu eng — sonst brauchst du bei einer Erweiterung deines Angebots eine neue Anmeldung. Die WKO berät dich, welche Bezeichnung am besten zu deinem Geschäftsmodell passt.

12. Checkliste nach der Gewerbeanmeldung

Die Gewerbeanmeldung ist erledigt — aber das war erst der Anfang. Hier ist alles, was danach zu tun ist:

NeuFöG-Erklärung geprüft (optional)

Für die kostenlose Gewerbeanmeldung nicht nötig — kann aber andere Gründungsgebühren und Abgaben begünstigen. Formular beim WKO Gründerservice

Finanzamt-Registrierung

Fragebogen ausfüllen, Steuernummer beantragen (via FinanzOnline)

SVS-Begrüßungsschreiben bestätigen

Post von der SVS abwarten und ggf. Antragsformulare ausfüllen

Geschäftskonto eröffnen

Empfohlen: Trennung von Privat- und Geschäftsfinanzen

Buchhaltung einrichten

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung vorbereiten (Software oder Steuerberater)

Rechnungssoftware einrichten

Professionelle Rechnungen mit allen Pflichtangaben ab Rechnung Nr. 1

Kleinunternehmerregelung prüfen

Entscheiden ob du mit oder ohne USt starten möchtest

Impressum / Website

Falls du eine Website betreibst: Impressumspflicht beachten

Versicherungsschutz prüfen

Berufshaftpflicht, Rechtsschutz, Betriebsunterbrechung

Steuerberater

Optional aber empfohlen, besonders im ersten Jahr

Weiterführende Ratgeber für EPU & Gründer

13. FAQ — Häufig gestellte Fragen zur Gewerbeanmeldung

Was kostet eine Gewerbeanmeldung in Österreich?

Die Gewerbeanmeldung selbst ist kostenlos — laut WKO fallen dafür keine Gebühren oder Abgaben an. Laufende Kosten entstehen danach durch die WKO-Mitgliedschaft (Grundumlage je nach Fachgruppe) und die SVS-Pflichtversicherung. Bei reglementierten Gewerben können separat Kosten für Befähigungsnachweise oder Prüfungen anfallen.

Was ist der Unterschied zwischen freiem und reglementiertem Gewerbe?

Freie Gewerbe können ohne besonderen Befähigungsnachweis angemeldet werden (z.B. IT, Webdesign, Handelsgewerbe). Reglementierte Gewerbe erfordern einen Befähigungsnachweis wie Meisterprüfung, einschlägige Ausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung (z.B. Unternehmensberatung, Tischler, Friseur, Gastgewerbe).

Muss ich mich nach der Gewerbeanmeldung beim Finanzamt registrieren?

Ja. Nach der Gewerbeanmeldung musst du dich beim zuständigen Finanzamt registrieren und einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Das geht auch online über FinanzOnline.

Bin ich nach der Gewerbeanmeldung automatisch krankenversichert?

Nicht direkt automatisch. Du musst dich bei der SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen) anmelden. Allerdings werden Gewerbetreibende nach der Gewerbeanmeldung in der Regel automatisch von der WKO an die SVS gemeldet.

Kann ich ein Gewerbe auch nebenberuflich anmelden?

Ja, du kannst ein Gewerbe auch neben einem Angestelltenverhältnis anmelden. Du bist dann doppelt sozialversichert. Beachte die Umsatzgrenze der Kleinunternehmerregelung und informiere sicherheitshalber deinen Arbeitgeber, falls eine Konkurrenzklausel besteht.

Kann ich mehrere Gewerbe gleichzeitig anmelden?

Ja, du kannst mehrere Gewerbe anmelden. Jedes Gewerbe wird gesondert in GISA eingetragen. WKO-Beiträge können je nach Fachgruppe variieren. Du brauchst pro Gewerbe eine eigene Anmeldung.

Wie lange dauert die Gewerbeanmeldung in Österreich?

Bei freien Gewerben kann die Online-Anmeldung über GISA in wenigen Minuten abgeschlossen werden. Die Gewerbeberechtigung tritt grundsätzlich mit dem Tag der Anmeldung in Kraft. Bei reglementierten Gewerben kann die Prüfung des Befähigungsnachweises einige Tage bis Wochen dauern.

Brauche ich einen Gewerbeschein für Online-Handel in Österreich?

Ja, auch für Online-Handel (z.B. einen eigenen Webshop oder Verkauf über Plattformen) benötigst du in Österreich einen Gewerbeschein. Online-Handel fällt in der Regel unter das freie Gewerbe 'Handelsgewerbe' und kann ohne Befähigungsnachweis angemeldet werden.

Was ist der Unterschied zwischen Gewerbe und Neuer Selbstständigkeit?

Gewerbetreibende melden ein Gewerbe bei der Bezirksverwaltungsbehörde an und sind WKO-Pflichtmitglieder. Neue Selbstständige (z.B. Vortragende, Schriftsteller, Künstler) üben hingegen keinen gewerblichen Beruf aus, benötigen keinen Gewerbeschein und sind nicht WKO-Mitglied, aber ebenfalls SVS-pflichtig.

Kann ich das Gewerbe auch ohne österreichischen Hauptwohnsitz anmelden?

EU/EWR-Bürger können unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne österreichischen Hauptwohnsitz ein Gewerbe in Österreich anmelden. Du benötigst aber eine Betriebsstättenadresse in Österreich. Die genauen Voraussetzungen klärst du am besten direkt mit der WKO oder Bezirksbehörde.

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