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Betriebsprüfung in Österreich: Der EPU-Guide zur Vorbereitung

Eine Betriebsprüfung (Außenprüfung) vom Finanzamt klingt beängstigend — muss sie aber nicht sein. Wer seine Buchhaltung ordentlich führt und die richtigen Unterlagen parat hat, übersteht eine Prüfung entspannt. Dieser Guide erklärt EPU und Freelancern, was wirklich geprüft wird, welche Rechte sie haben und wie man sich am besten vorbereitet.

Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Lesedauer: ca. 10 Minuten

Inhaltsverzeichnis

  1. 1. Was ist eine Betriebsprüfung?
  2. 2. Ablauf: Ankündigung bis Schlussbeschied
  3. 3. Was wird geprüft?
  4. 4. Welche Unterlagen brauchst du?
  5. 5. Optimale Vorbereitung für EPU
  6. 6. Deine Rechte bei der Prüfung
  7. 7. Häufige Fehler die Prüfungen auslösen
  8. 8. Aufbewahrungspflichten in Österreich
  9. 9. FAQ

1. Was ist eine Betriebsprüfung (Außenprüfung)?

Eine Betriebsprüfung (offiziell: Außenprüfung nach § 147 BAO) ist eine Überprüfung deiner steuerlichen Aufzeichnungen und Unterlagen durch das Finanzamt. Das Finanzamt sendet dabei einen Prüfer zu dir — entweder in dein Büro oder es werden Unterlagen digital übermittelt.

Geprüft werden dabei normalerweise mehrere Jahre gleichzeitig (meist 3–5 Jahre). Ziel ist es, sicherzustellen, dass du deine steuerlichen Pflichten korrekt erfüllt hast.

📋

Außenprüfung

Umfassende Prüfung aller Steuerarten für einen bestimmten Zeitraum

💼

USt-Nachschau

Kurzfristige, anlassbezogene Umsatzsteuerprüfung (ohne Vorankündigung möglich)

👥

Lohnsteuerprüfung

Nur bei Betrieben mit Mitarbeitern — für EPU ohne Angestellte irrelevant

2. Ablauf einer Betriebsprüfung: Von der Ankündigung bis zum Bescheid

1

Ankündigung (schriftlich)

Das Finanzamt sendet einen schriftlichen Prüfungsauftrag. Darin steht: welche Jahre geprüft werden, welche Steuerarten betroffen sind und wer der Prüfer ist. Du erhältst in der Regel einige Wochen Vorlaufzeit.

2

Vorbereitung

Du sammelst alle relevanten Unterlagen (Belege, Rechnungen, Kontoauszüge, Aufzeichnungen). Empfohlen: Dein Steuerberater begleitet dich durch den gesamten Prozess.

3

Prüfung vor Ort oder digital

Der Prüfer sichtet deine Unterlagen — entweder bei dir, bei deinem Steuerberater oder zunehmend digital via FinanzOnline. Die Prüfung kann einige Tage bis mehrere Wochen dauern.

4

Schlussbesprechung

Am Ende der Prüfung gibt es eine Schlussbesprechung, bei der der Prüfer seine Feststellungen präsentiert. Du hast das Recht zur Stellungnahme. Nimm deinen Steuerberater mit!

5

Prüfungsbericht & Bescheide

Das Finanzamt erstellt einen Prüfungsbericht. Danach kommen geänderte Steuerbescheide — entweder mit Nachzahlung, Guthaben oder keine Änderung.

6

Rechtsmittel (falls nötig)

Bist du mit dem Ergebnis nicht einverstanden, kannst du innerhalb eines Monats Beschwerde beim Bundesfinanzgericht einlegen. Das sollte grundsätzlich mit einem Steuerberater oder Rechtsanwalt erfolgen.

3. Was wird bei einem EPU typischerweise geprüft?

Bei einer Außenprüfung für EPU fokussiert sich der Prüfer auf folgende Bereiche:

📄 Einnahmen & Erlöse

  • Vollständigkeit der Erlöserfassung
  • Übereinstimmung mit Kontoauszügen
  • Bar-Einnahmen (falls vorhanden)
  • Rechnungsnummern: Lücken oder Dubletten?

💸 Betriebsausgaben

  • Belege für jede Ausgabe vorhanden?
  • Privatanteil korrekt ausgeschieden?
  • KFZ-Nutzung: Fahrtenbuch, Privatanteil
  • Bewirtungskosten: nur 50 % absetzbar!

🧾 Umsatzsteuer

  • Korrekte USt-Sätze (10 %, 13 %, 20 %)?
  • Vorsteuer korrekt abgezogen?
  • Innergemeinschaftliche Erwerbe gemeldet?
  • UVA-Meldungen vollständig und korrekt?

📊 Investitionen & Anlagen

  • Anlagenverzeichnis korrekt?
  • Abschreibungen (AfA) korrekt berechnet?
  • Gewinnfreibetrag-Wertpapiere: Investitionsverzeichnis?
  • Anschaffungsbelege für alle Wirtschaftsgüter?

4. Welche Unterlagen brauchst du bei der Betriebsprüfung?

Folgende Unterlagen solltest du für alle geprüften Jahre griffbereit haben:

Buchhaltung & Aufzeichnungen

  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Bilanz für alle geprüften Jahre
  • Kassabuch (wenn Bargeschäfte vorhanden)
  • Aufzeichnungen über alle Betriebseinnahmen und -ausgaben

Rechnungen & Belege

  • Alle ausgestellten Ausgangsrechnungen (nummeriert, lückenlos)
  • Alle Eingangsrechnungen (Lieferanten, Dienstleister)
  • Quittungen und Kassenbons für Barzahlungen

Bankdaten

  • Alle betrieblichen Kontoauszüge
  • Kreditkartenabrechnungen (falls für Betrieb genutzt)
  • Nachweis für private vs. betriebliche Buchungen

Anlagen & Investitionen

  • Anlagenverzeichnis
  • Kaufbelege für alle angeschafften Wirtschaftsgüter
  • Investitionsverzeichnis für Gewinnfreibetrag-Wertpapiere

KFZ-Kosten

  • Fahrtenbuch (wenn betriebliches KFZ oder Privatnutzungsabzug)
  • KFZ-Belege (Tankrechnungen, Service, Versicherung)
  • Nachweis des Privatanteils

Verträge

  • Wesentliche Verträge mit Kunden / Lieferanten
  • Mietverträge für Büro/Betriebsräume
  • Leasingverträge

5. Optimale Vorbereitung für EPU — Schritt für Schritt

1

Sofort: Steuerberater kontaktieren

Sobald die Ankündigung eintrifft — Steuerberater anrufen. Auch wenn du keine Fehler erwartest: Ein Steuerberater kennt die Prüfungsroutinen und schützt dich vor Selbstbelastungen.

2

Prüfungszeitraum sichten

Schau dir die angekündigten Prüfungsjahre an. Gab es Besonderheiten (größere Ausgaben, Fahrzeugkauf, Betriebsaufgabe, schlechtes Jahr)? Bereite Erklärungen vor.

3

Unterlagen systematisch zusammenstellen

Sortiere alle Unterlagen nach Jahr und Kategorie. Digitale Ablage: Ordner je Jahr, darunter Einnahmen, Ausgaben, Bank, Anlagen. Physische Belege: Ordner beschriften.

4

Rechnungsnummern prüfen

Prüfe ob alle Rechnungsnummern lückenlos sind. Fehlende Nummern müssen erklärt werden (Storno, Fehler). Besser: jetzt erklären, als auf Nachfrage des Prüfers.

5

Privatentnahmen dokumentieren

Stelle sicher, dass alle Privatentnahmen (aus der Kassa oder vom Betriebskonto) korrekt verbucht sind. Das ist ein klassischer Prüfungspunkt.

6

Keine voreiligen Korrekturen ohne Beratung

Ändere kurz vor oder während der Prüfung keine Unterlagen ohne Rücksprache mit dem Steuerberater. Das kann als Manipulation gewertet werden.

6. Deine Rechte bei der Betriebsprüfung

Als Steuerpflichtiger bist du nicht schutzlos. Das österreichische Recht (BAO und AVOG) garantiert dir wesentliche Rechte:

📬

Schriftliche Ankündigung

Du musst vorab schriftlich informiert werden (Prüfungsauftrag).

👨‍💼

Steuerberater beiziehen

Du kannst jederzeit einen Steuerberater oder Rechtsanwalt hinzuziehen.

📂

Akteneinsicht

Du kannst in die Prüfungsakten Einsicht nehmen.

🗣️

Stellungnahme

Du hast das Recht, zu den Prüfungsfeststellungen Stellung zu nehmen.

📝

Schlussbesprechung

Du hast das Recht auf eine schriftliche Schlussbesprechung.

⚖️

Rechtsmittel

Du kannst Beschwerde gegen Bescheide beim Bundesfinanzgericht einlegen.

Wichtig: Kooperiere offen und freundlich mit dem Prüfer. Du musst Auskunft geben, aber nicht mehr als nötig. Antworte präzise auf Fragen — unnötige Zusatzinformationen können unbeabsichtigt neue Prüfungspunkte eröffnen. Im Zweifel: "Das beantworte ich nach Rücksprache mit meinem Steuerberater."

7. Häufige Fehler, die Betriebsprüfungen auslösen oder verschlimmern

Fehlende oder lückenhafte Belege

Folge: Betriebsausgaben werden nicht anerkannt → Steuernachzahlung

✅ Vorbeugung: Jeden Beleg sofort digital oder physisch ablegen. App oder Scanner nutzen.

Privatausgaben als Betriebsausgaben verbucht

Folge: Klassischer Prüfungspunkt. Wenn gefunden → Steuernachzahlung + Zinsen

✅ Vorbeugung: Strikte Trennung von privatem und betrieblichem Konto. Klare Regeln für Privatanteil.

Kein Fahrtenbuch trotz KFZ-Abzug

Folge: KFZ-Kosten werden aberkannt oder pauschal besteuert

✅ Vorbeugung: Fahrtenbuch führen (digital oder physisch) mit Datum, Zweck, Kilometer.

Bewirtungskosten nicht halbiert

Folge: Bewirtungskosten sind nur zu 50 % absetzbar. Voller Abzug = Fehler

✅ Vorbeugung: Im Rechnungsprogramm oder Buchhaltungstool direkt korrekt klassifizieren.

Fehlende Aufzeichnungen bei Barumsätzen

Folge: Bei Betrieben mit Barumsätzen: Hinzuschätzungen möglich

✅ Vorbeugung: Kassenbuch lückenlos führen. Bei Betrieben mit Registrierkassenpflicht: Kassensystem nutzen.

USt-Voranmeldungen (UVA) unpünktlich oder fehlerhaft

Folge: Verspätungszuschläge, und erhöhtes Prüfungsrisiko

✅ Vorbeugung: UVA-Fristen im Kalender. Mit Rechnungsprogramm: automatische Zusammenfassung der USt.

8. Aufbewahrungspflichten in Österreich — Was muss wie lange aufbewahrt werden?

Grundsätzlich gilt in Österreich eine Aufbewahrungsfrist von 7 Jahrenfür alle steuerlich relevanten Unterlagen (§ 132 BAO). Bei Gebäuden oder Grundstücken sowie bei laufenden Verfahren verlängert sich die Frist.

UnterlagentypAufbewahrungsfristFormat
Rechnungen (Ausgang & Eingang)7 JahrePapier oder digital
Bücher und Aufzeichnungen7 JahrePapier oder digital
Kontoauszüge7 JahrePapier oder digital
Verträge und Vereinbarungen7 Jahre (mind.)Papier oder digital
Lohnzettel und Dienstnehmerunterlagen7 JahrePapier oder digital
Belege für Anlagevermögen7 Jahre nach VeräußerungPapier oder digital
KFZ-Fahrtenbücher7 JahrePapier oder digital
Wertpapiere (GFB)4 Jahre Haltedauer + 7 JahrePapier oder digital

Tipp: Digitale Ablage! Scanne alle Papierbelege und speichere sie geordnet (nach Jahr und Monat). Digitale Belege (z.B. E-Mails mit Rechnungen) können direkt gespeichert werden. Mit einem Rechnungsprogramm wie Rechnito sind deine ausgestellten Rechnungen automatisch digital archiviert.

Ordentliche Buchführung — der beste Schutz vor Prüfungsstress

Mit Rechnito hast du alle Rechnungen automatisch digital archiviert und nummeriert. Das Finanzamt liebt lückenlose Aufzeichnungen — und du sparst Zeit bei der Ablage.

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9. Häufige Fragen zur Betriebsprüfung

Wie oft wird ein EPU in Österreich betriebsgeprüft?
Es gibt keinen fixen Rhythmus. Das Finanzamt wählt Betriebe nach Risikokriterien aus — z.B. hohe Betriebsausgaben im Verhältnis zu Umsatz, auffällige Schwankungen, Branchenvergleiche oder unvollständige Erklärungen. Für kleine EPU sind Betriebsprüfungen seltener, aber nicht ausgeschlossen. Manche Betriebe werden nie geprüft, andere alle paar Jahre.
Was passiert wenn ich Fehler in meiner Buchhaltung habe?
Fehler in der Buchhaltung müssen nicht zwingend zur Strafe führen. Unbeabsichtigte Fehler (keine Vorsatzabsicht) führen in der Regel zu Nachzahlungen plus Verzugszinsen. Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz kann es zu Steuerstrafen (Finanzstrafrecht) kommen. Wichtig: Kooperiere offen mit dem Prüfer und konsultiere bei Verdacht auf größere Fehler sofort deinen Steuerberater.
Kann ich die Betriebsprüfung ablehnen oder verschieben?
Ablehnen kannst du eine rechtmäßige Betriebsprüfung nicht — dazu ist das Finanzamt gesetzlich ermächtigt (§ 147 BAO). Du kannst jedoch um eine Verschiebung des Termins bitten (z.B. aus wichtigem Grund wie Krankheit oder Urlaub). Das Finanzamt entscheidet darüber nach eigenem Ermessen. Gib rechtzeitig Bescheid und erkläre den Grund schriftlich.
Wie lange muss ich Belege für die Betriebsprüfung aufheben?
In Österreich gilt grundsätzlich eine Aufbewahrungspflicht von 7 Jahren für alle Bücher, Aufzeichnungen, Belege und Geschäftspapiere (§ 132 BAO). Bei laufenden Verfahren, Rechtsmitteln oder wenn eine Abgabe noch nicht endgültig festgesetzt ist, verlängert sich die Frist entsprechend. Elektronisch gespeicherte Unterlagen müssen während der gesamten Aufbewahrungsfrist lesbar bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen Betriebsprüfung, Umsatzsteuer-Nachschau und Außenprüfung?
Betriebsprüfung (auch Außenprüfung) ist die umfassende Überprüfung eines bestimmten Prüfungszeitraums — alle Steuerarten können geprüft werden. Umsatzsteuer-Nachschau ist eine kurzfristige, anlassbezogene Prüfung nur der Umsatzsteuer (z.B. bei Verdacht auf USt-Betrug). Lohnsteuerprüfung betrifft nur lohnsteuerrelevante Sachverhalte. EPU ohne Mitarbeiter sind von der Lohnsteuerprüfung meist nicht betroffen.
Welche Rechte habe ich als EPU bei einer Betriebsprüfung?
Als Steuerpflichtiger hast du bei der Betriebsprüfung folgende Rechte: Recht auf rechtzeitige Ankündigung (in der Regel schriftlich mit Prüfungsauftrag), Recht auf Beiziehung eines Steuerberaters oder Rechtsanwalts, Recht auf Akteneinsicht, Recht auf Gehör (Stellungnahme zu Prüfungsfeststellungen), Recht auf schriftliche Schlussbesprechung, Recht auf Berufung/Beschwerde gegen Bescheide. Nutze diese Rechte aktiv — insbesondere die Beiziehung eines Steuerberaters.

Weiterführende Ratgeber

Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Bei einer tatsächlichen Betriebsprüfung empfehlen wir dringend die Beiziehung eines österreichischen Steuerberaters. Aktuelle gesetzliche Regelungen: BAO (Bundesabgabenordnung) auf ris.bka.gv.at und Informationen auf bmf.gv.at.