Inhaltsverzeichnis
- 1. Was ist ein Zahlungsziel? (Definition & Bedeutung)
- 2. Gesetzliche Regelung in Österreich: § 904 ABGB & § 458 UGB
- 3. Übliche Zahlungsziele im Überblick — Vergleichstabelle
- 4. Zahlungsziel richtig auf der Rechnung formulieren
- 5. Verzugszinsen in Österreich 2026 (§ 1000 ABGB & § 456 UGB)
- 6. Skonto: Was ist das, wie berechnen, wie formulieren?
- 7. Wenn das Zahlungsziel überschritten wird: Mahnung & nächste Schritte
- 8. Praktische Tipps für EPU: Liquidität sichern
- 9. FAQ
1. Was ist ein Zahlungsziel?
Das Zahlungsziel (auch: Zahlungsfrist) ist der Zeitraum, innerhalb dessen ein Rechnungsempfänger eine Rechnung zu bezahlen hat. Es wird üblicherweise in Tagen angegeben — z.B. "zahlbar innerhalb von 30 Tagen ab Rechnungsdatum".
Das Zahlungsziel legt also fest, bis wann die Rechnung fällig ist. Nach Ablauf dieser Frist gilt die Forderung als überfällig, und der Schuldner gerät automatisch in Verzug — mit allen rechtlichen Konsequenzen (Verzugszinsen, Mahnkosten, rechtliche Schritte).
Wichtig: Das Zahlungsziel ist keine Pflichtangabe auf einer Rechnung nach dem österreichischen Umsatzsteuergesetz (UStG). Fehlt es, gilt die Forderung sofort fällig (§ 904 ABGB). In der Praxis ist es jedoch dringend empfohlen, ein klares Zahlungsziel anzugeben — es schafft Rechtssicherheit für beide Seiten und erleichtert das Mahnwesen erheblich.
2. Gesetzliche Regelung in Österreich: § 904 ABGB & § 458 UGB
Die gesetzliche Grundlage für Zahlungsfristen in Österreich findet sich vor allem im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) und im Unternehmensgesetzbuch (UGB). Die wichtigsten Bestimmungen im Überblick:
§ 904 ABGB — Fälligkeit bei fehlendem Zahlungsziel
Ist keine Zahlungsfrist vereinbart, ist die Leistung sofort fällig. Der Gläubiger kann sofortige Erfüllung verlangen. In der Praxis heißt das: Fehlt das Zahlungsziel auf der Rechnung, kann der Rechnungsaussteller sofort mahnen — theoretisch bereits am Tag nach der Rechnungsstellung.
§ 458 UGB — Zahlungsverzug im Unternehmensverkehr (B2B)
Im B2B-Bereich gilt: Ist kein Zahlungsziel vereinbart, muss spätestens 30 Tagenach Zugang der Rechnung gezahlt werden. Zahlungsziele über 60 Tage sind grundsätzlich unwirksam, es sei denn, sie wurden ausdrücklich vereinbart und sind sachlich gerechtfertigt. Diese Regelung setzt die EU-Zahlungsverzugsrichtlinie (2011/7/EU) in österreichisches Recht um und schützt vor allem kleinere Unternehmen und EPU vor übermäßig langen Zahlungsfristen durch Großkunden.
§ 1334 ABGB — Automatischer Verzugseintritt
Ist ein Zahlungsziel oder ein konkretes Fälligkeitsdatum vereinbart, tritt Verzug automatisch nach Ablauf der Frist ein — ohne dass der Gläubiger vorher mahnen muss. Ab diesem Zeitpunkt laufen Verzugszinsen, und der Gläubiger hat Anspruch auf den gesetzlichen Pauschalschadensersatz von € 40 (§ 458 Abs. 3 UGB, B2B).
Zusammenfassung: Gesetzliche Standardfristen
| Situation | Gesetzliche Frist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Kein Zahlungsziel vereinbart (B2C) | Sofort fällig | § 904 ABGB |
| Kein Zahlungsziel vereinbart (B2B) | 30 Tage ab Rechnungszugang | § 458 UGB |
| Vereinbartes Zahlungsziel (B2B, max.) | 60 Tage (darüber nur ausnahmsweise) | § 458 UGB |
| Öffentliche Auftraggeber (B2G) | 30 Tage (max. 60 Tage) | § 459 UGB |
3. Übliche Zahlungsziele im Überblick — Vergleichstabelle
In der österreichischen Praxis haben sich bestimmte Zahlungsziele etabliert. Welches du wählst, hängt von deiner Branche, deinen Kunden und deiner eigenen Liquiditätssituation ab. Hier sind die vier gängigsten Zahlungsziele im direkten Vergleich:
| Zahlungsziel | Typische Branchen | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Sofort / netto | Gastronomie, Einzelhandel, Kleindienstleister | Maximale Liquidität; kein Ausfallrisiko | Kunden meist nur bei Privatleuten akzeptiert; bei B2B-Kunden unüblich |
| 14 Tage | Freelancer, IT, Kreativdienstleister, Kleinbetriebe | Schnelle Liquidität; kurzes Ausfallrisiko; ideal für EPU | Manche Großkunden lehnen kurze Fristen ab |
| 30 Tage | B2B allgemein, Handwerk, Beratung, Agenturen | Marktstandard; von fast allen Kunden akzeptiert | Einen Monat auf Geld warten kann Liquidität belasten |
| 60 Tage | Großunternehmen, Exportgeschäfte, öffentliche Auftraggeber | Von Großkunden oft erwartet; erhöht Chancen auf Auftrag | Hohes Liquiditätsrisiko für EPU; gesetzlich maximal bei B2B |
EPU-Empfehlung: Als Einpersonenunternehmen empfiehlt sich ein Zahlungsziel von 14–30 Tagen. Kurze Fristen sichern deine Liquidität und verringern das Risiko, auf offenen Rechnungen sitzen zu bleiben. Wenn Großkunden 60 Tage fordern, kannst du das durch Skonto-Anreize oder Vorauszahlungen für frühere Zahlung belohnen.
4. Zahlungsziel richtig auf der Rechnung formulieren
Die Formulierung des Zahlungsziels auf der Rechnung ist entscheidend für seine rechtliche Wirkung. Unklare oder missverständliche Formulierungen können dazu führen, dass Verzug nicht automatisch eintritt und du erst mahnen musst, bevor Verzugszinsen zu laufen beginnen.
Empfohlene Formulierungen ✓
"Zahlbar innerhalb von 14 Tagen ab Rechnungsdatum."
Klar, eindeutig — Verzug tritt automatisch nach Tag 14 ein.
"Zahlbar bis 15. Mai 2026 (30 Tage netto)."
Kombination aus Frist und konkretem Datum — noch mehr Klarheit.
"Fällig: 30 Tage nach Rechnungsdatum, spätestens bis 15. Mai 2026."
Ideal für formelle Rechnungen — keine Interpretationsspielräume.
"Zahlbar sofort nach Erhalt dieser Rechnung."
Bei sofortiger Fälligkeit — selten empfohlen im B2B.
Problematische Formulierungen ✗
"Zahlung in Kürze erbeten."
Zu vage — kein konkretes Zahlungsziel, kein automatischer Verzug.
"Bei Fälligkeit."
Unklar — ohne Datum oder Frist nicht vollstreckbar.
"Nächste Woche."
Keine rechtlich klare Frist.
Praxis-Tipp: Gib auf deiner Rechnung sowohl das Zahlungsziel (z.B. "30 Tage") als auch das konkrete Fälligkeitsdatum an. So sparst du deinen Kunden das Nachrechnen und vermeidest Missverständnisse. In Rechnito wird das Fälligkeitsdatum automatisch berechnet und auf der Rechnung ausgewiesen.
5. Verzugszinsen in Österreich 2026 (§ 1000 ABGB & § 456 UGB)
Verzugszinsen sind der Preis, den ein Schuldner für das verspätete Zahlen zahlt. Sie entschädigen dich als Gläubiger für den Zinsverlust und Aufwand. In Österreich gibt es je nach Geschäftsbeziehung unterschiedliche Sätze:
B2B — § 456 UGB
Gilt für alle Geschäfte zwischen Unternehmern. Als EPU, der an Firmen, GmbHs oder andere Selbstständige fakturiert, hast du bei Verzug automatisch Anspruch auf diesen Zinssatz — und zusätzlich auf den Pauschalbetrag von mindestens € 40 (§ 458 Abs. 3 UGB).
B2C — § 1000 ABGB
Gilt, wenn du als Unternehmer an Privatpersonen (Konsumenten) fakturierst. Das Konsumentenschutzgesetz (KSchG) begrenzt die Belastung für Privatpersonen. Höhere Zinssätze sind nur mit ausdrücklicher vertraglicher Vereinbarung möglich.
Was ist der Basiszinssatz der OeNB?
Der Basiszinssatz wird von der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zweimal jährlich festgelegt — jeweils zum 1. Jänner und zum 1. Juli. Er spiegelt das allgemeine Zinsniveau im Euroraum wider und variiert je nach EZB-Leitzinsentscheidungen. Den aktuell gültigen Basiszinssatz findest du auf oenb.at.
Rechenbeispiel: Verzugszinsen B2B
* Basiszinssatz variiert. Bitte den aktuellen Satz auf oenb.at prüfen und einsetzen. Vertraglich vereinbarte höhere Zinssätze gehen dem gesetzlichen Satz vor.
Tipp: Höhere Verzugszinsen kannst du vertraglich oder in deinen AGB vereinbaren (z.B. "Bei Zahlungsverzug werden Zinsen in Höhe von 1 % pro Monat berechnet"). Vereinbarte Zinssätze gehen den gesetzlichen vor — im Rahmen des Zulässigen (im B2C durch KSchG begrenzt).
6. Skonto: Was ist das, wie berechnen, wie formulieren?
Skonto ist ein Preisnachlass, den du Kunden gewährst, wenn sie besonders schnell zahlen. Es ist ein bewährtes Mittel, um frühzeitige Zahlungseingänge zu fördern und die eigene Liquidität zu verbessern. Gängige Skontosätze in Österreich liegen bei 2 % bei Zahlung innerhalb von 7–10 Tagen.
Skonto berechnen
Skonto vs. Rabatt
Skonto richtig auf der Rechnung formulieren
"2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen ab Rechnungsdatum."
"Rechnungsbetrag: € 1.000,00 — Bei Zahlung bis 29. April 2026 (10 Tage Skonto): € 980,00 (2 % = € 20,00) — Reguläre Fälligkeit: 19. Mai 2026 (30 Tage netto)."
"2 % Skonto innerhalb 10 Tagen, 30 Tage netto (gemäß unseren AGB)."
Steuerliche Behandlung von Skonto
Skonto ist steuerlich sowohl beim Aussteller als auch beim Empfänger relevant:
Beim Rechnungsaussteller (du)
- • Skonto mindert deinen Umsatz (und die Umsatzsteuer), sobald er in Anspruch genommen wird
- • Bei Istversteuerung: USt-Berichtigung im Monat der tatsächlichen Zahlung
- • Bei Sollversteuerung: Berichtigung über Korrekturrechnungen oder in der UVA
Beim Rechnungsempfänger (Kunde)
- • Vorsteuer ist nur auf den tatsächlich gezahlten Betrag abziehbar
- • Wenn Skonto genommen wird, muss der Vorsteuerabzug entsprechend reduziert werden
- • Buchhalterisch: Skonto als Erlöskorrektur verbuchen
Steuer-Hinweis: Die steuerliche Behandlung von Skonto kann komplex sein, besonders bei der Umsatzsteuer-Voranmeldung (UVA). Im Zweifel empfiehlt sich die Rücksprache mit deinem Steuerberater. Bei Rechnito wird der Skontobetrag automatisch auf der Rechnung ausgewiesen.
7. Wenn das Zahlungsziel überschritten wird: Mahnung & nächste Schritte
Hat dein Kunde das Zahlungsziel überschritten, ohne zu zahlen, solltest du zügig reagieren. Je länger du wartest, desto schwieriger wird es, das Geld einzutreiben. Hier ist der empfohlene Ablauf für EPU:
Zahlungserinnerung (1–3 Tage nach Fälligkeit)
Freundliche E-Mail oder Anruf — viele Kunden vergessen schlicht zu zahlen. Kurze, unpersönliche Erinnerung ohne Vorwurf.
1. Mahnung (ca. 7–14 Tage nach Fälligkeit)
Formelles Mahnschreiben mit Rechnungsnummer, offenem Betrag, Verzugszinsen, neuer Zahlungsfrist (7–10 Tage) und Ankündigung weiterer Schritte.
2. Mahnung / Letzte Mahnung (nach erfolgloser 1. Mahnung)
Letzte Aufforderung mit Gesamtforderung inkl. aller Zinsen und Gebühren. Explizite Ankündigung von Inkasso oder Klage. Am besten per Einschreiben.
Inkasso oder gerichtlicher Zahlungsbefehl
Inkassobüro beauftragen (Forderungen bis ca. € 5.000) oder Mahnklage beim zuständigen Bezirksgericht (bis € 15.000 ohne Anwaltspflicht).
Verjährung nicht vergessen: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen verjähren in Österreich nach 3 Jahren (§ 1486 ABGB). Setze innerhalb dieser Frist rechtliche Schritte, sonst verlierst du deinen Anspruch. Einen detaillierten Leitfaden zum Mahnwesen findest du in unseremRatgeber: Mahnung schreiben Österreich.
8. Praktische Tipps für EPU: Liquidität sichern
Als Einpersonenunternehmen ist deine Liquidität direkt von deinen Zahlungseingängen abhängig. Hier sind die wirksamsten Maßnahmen, um dein Zahlungsmanagement zu optimieren:
Kurze Zahlungsziele wählen
14 Tage statt 30 Tage macht einen riesigen Unterschied in deinem Cashflow. Viele Kunden zahlen, sobald sie daran erinnert werden — warte nicht auf den 30. Tag.
Skonto als Anreiz nutzen
2 % Skonto bei Zahlung innerhalb 7 Tagen kostet dich wenig, bringt aber schnelle Liquidität. Besonders wirksam bei Stammkunden und größeren Rechnungen.
Anzahlungen vereinbaren
Bei größeren Projekten eine Anzahlung von 30–50 % vorab verlangen. Das sichert Liquidität und zeigt ernst gemeinte Zahlungsbereitschaft des Kunden.
Mahnwesen automatisieren
Nutze ein Rechnungsprogramm, das überfällige Rechnungen automatisch erkennt und Mahnungen vorschlägt oder versendet. Manuelle Kontrolle ist fehleranfällig.
AGB mit Zahlungsbedingungen
Halte dein Zahlungsziel, Verzugszinsen und Mahngebühren in deinen AGB fest. Das gibt dir im Streitfall eine klare rechtliche Grundlage.
Bonitätsprüfung bei Neukunden
Bei größeren Aufträgen mit unbekannten Kunden: Bonitätscheck über KSV 1870 oder Bisnode. Das schützt vor Zahlungsausfällen von Anfang an.
Zahlungsziele & Mahnwesen automatisch verwalten mit Rechnito
Rechnito berechnet Fälligkeitsdaten automatisch, zeigt überfällige Rechnungen auf einen Blick und erstellt ABGB-konforme Mahnschreiben auf Knopfdruck — inklusive Verzugszinsen und Skonto. Kostenlos starten, keine Kreditkarte nötig.
Kostenlos starten →9. Häufige Fragen zum Zahlungsziel in Österreich
Was passiert wenn das Zahlungsziel nicht eingehalten wird?▼
Wie hoch sind Verzugszinsen in Österreich 2026?▼
Muss ein Zahlungsziel auf der Rechnung stehen?▼
Was ist der Unterschied zwischen Zahlungsziel und Fälligkeitsdatum?▼
Wie formuliert man Skonto richtig auf einer Rechnung?▼
Kann ich mit Kunden ein längeres Zahlungsziel vereinbaren?▼
Weiterführende Ratgeber
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Gesetzliche Regelungen können sich ändern. Für deine individuelle Situation empfehlen wir die Beratung durch einen österreichischen Rechtsanwalt oder Steuerberater sowie die WKO (wko.at). Aktuelle Gesetze findest du auf ris.bka.gv.at (Rechtsinformationssystem des Bundes). Den aktuellen Basiszinssatz der OeNB findest du auf oenb.at.