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Inkasso Österreich 2026: Was tun wenn Kunden nicht zahlen — Guide für EPU

Eine unbezahlte Rechnung ist für Selbstständige und EPU in Österreich mehr als nur ein Ärgernis — sie bedroht die Liquidität. Dieser Guide zeigt dir den kompletten Weg: von der freundlichen Zahlungserinnerung über das Inkasso-Büro bis zur Mahnklage beim Bezirksgericht und zur Exekution. Mit konkreten Gesetzesparagraphen, Kosten und Erfolgschancen für jede Stufe.

Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Lesedauer: ca. 14 Minuten

Inhaltsverzeichnis

  1. 1. Überblick: Der Weg von der Mahnung zur Exekution
  2. 2. Zahlungserinnerung vs. Mahnung: Der Unterschied
  3. 3. Wann zum Inkasso-Büro? Kosten und Anbieter
  4. 4. Mahnklage beim Bezirksgericht — so geht es
  5. 5. Europäischer Zahlungsbefehl (grenzüberschreitend)
  6. 6. Exekution: Was passiert wenn der Schuldner nicht zahlt
  7. 7. Kosten im Überblick: INKV, Gerichtsgebühren, wer zahlt
  8. 8. Verjährung: Wann verjähren Forderungen in Österreich?
  9. 9. Praktische Tipps für EPU: Vorbeugung ist besser
  10. 10. FAQ

1. Überblick: Der Weg von der Mahnung zur Exekution

Wenn ein Kunde nicht zahlt, gibt es einen klaren Eskalationspfad. Jede Stufe kostet mehr Zeit und Geld — aber erhöht den Druck auf den Schuldner erheblich. Die gute Nachricht: Die meisten offenen Forderungen werden bereits auf den ersten zwei Stufen erledigt.

1

Zahlungserinnerung

5–7 Tage nach Fälligkeit

Freundlicher Hinweis per E-Mail oder Brief. Kein Vorwurf, kein Druck. Klärt Missverständnisse.

Erfolgsquote: ~70–80 %Kosten: Kostenlos
2

Erste Mahnung

14 Tage nach Erinnerung

Formeller Ton, klare Frist, Verzugszinsen ankündigen. Basis für spätere Schritte.

Erfolgsquote: ~10–15 %Kosten: Mahngebühr möglich
3

Letzte Mahnung

14 Tage nach 1. Mahnung

Letzte Frist mit klarer Androhung: Inkasso oder gerichtliche Betreibung.

Erfolgsquote: ~5 %Kosten: Mahngebühr
4

Inkasso-Büro

Ab ca. 45–60 Tage nach Fälligkeit

Professionelles Forderungsmanagement. KSV1870, Creditreform, CRIF & Co. üben Druck aus.

Erfolgsquote: ~30–50 %Kosten: Nach INKV (gedeckelt)
5

Mahnklage / Klage

Wenn Inkasso scheitert

Antrag beim Bezirksgericht (bis €75.000). Zahlungsbefehl — bei Widerspruch → ordentliches Verfahren.

Erfolgsquote: Hoch (wenn Forderung berechtigt)Kosten: Gerichtsgebühren nach GGG
6

Exekution

Nach rechtskräftigem Urteil/Zahlungsbefehl

Zwangsvollstreckung: Pfändung von Lohn, Bankguthaben, Fahrnisexekution (Pfändung beweglicher Sachen).

Erfolgsquote: Abhängig von ZahlungsfähigkeitKosten: Exekutionsgebühren

Wichtig: Verzugszinsen laufen automatisch ab dem ersten Tag des Verzugs. Im B2B-Bereich (Unternehmer zu Unternehmer) beträgt der gesetzliche Verzugszinssatz in Österreich gemäß § 456 UGB den Basiszinssatz der OeNB + 9,2 Prozentpunkte (derzeit ca. 9,45 % p.a.). Diese Zinsen kannst du zusätzlich zur Hauptforderung einfordern.

2. Zahlungserinnerung vs. Mahnung: Der Unterschied

Im Alltag werden die Begriffe oft synonym verwendet — rechtlich gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied, der für die Verzugsbegründung relevant ist.

MerkmalZahlungserinnerungMahnung
TonfallFreundlich, verständnisvollFormell, bestimmt
Zeitpunkt5–7 Tage nach Fälligkeit14+ Tage nach Erinnerung
FristGroßzügig (10–14 Tage)Knappe Frist (7–10 Tage)
MahngebührenNeinMöglich (ab 1. oder 2. Mahnung)
VerzugszinsenNoch nicht angekündigtExplizit angedroht/verrechnet
Rechtliche WirkungKann Verzug begründen (§ 1334 ABGB)Begründet Verzug sicher
Konsequenzen angedrohtNeinInkasso / gerichtliche Betreibung

Rechtlicher Hinweis (§ 1333–1334 ABGB): Ist ein Zahlungsziel vertraglich vereinbart (z.B. "zahlbar innerhalb von 14 Tagen"), gerät der Schuldner automatisch mit Ablauf dieser Frist in Verzug — ohne dass eine Mahnung erforderlich ist. In diesem Fall laufen Verzugszinsen bereits ab Fälligkeit. Fehlt eine Fristvereinbarung, ist eine Mahnung zur Verzugsbegründung notwendig.

Empfehlung für EPU: Gib auf deinen Rechnungen immer ein konkretes Zahlungsziel an (z.B. "Zahlbar bis [Datum]"). Damit bist du rechtlich auf der sicheren Seite und musst keine gesonderte Mahnung zur Verzugsbegründung schicken.

3. Wann zum Inkasso-Büro? Kosten und Anbieter in Österreich

Ein Inkasso-Unternehmen übernimmt das Mahnwesen professionell. Es schreibt im eigenen Namen Mahnbriefe, telefoniert mit dem Schuldner und setzt — im Rahmen des Rechts — psychologischen Druck ein. Für den Gläubiger (also dich) ist das bequem und oft günstiger als ein Anwalt.

Wann lohnt sich Inkasso?

Inkasso ist sinnvoll wenn …

  • ✓ Forderung über €500
  • ✓ Schuldner ist grundsätzlich zahlungsfähig
  • ✓ Zwei Mahnungen wurden ignoriert
  • ✓ Du willst Kundenbeziehung ganz aufgeben
  • ✓ Du hast keine Zeit für das Mahnwesen
  • ✓ Kein Wohnsitzwechsel/Unbekannt verzogen

Besser direkt zum Gericht wenn …

  • • Schuldner bestreitet die Forderung
  • • Offensichtliche Zahlungsunfähigkeit
  • • Forderung unter €300
  • • Schuldner reagiert auf nichts
  • • Verjährungsfrist naht (nicht mehr viel Zeit)
  • • Schuldner ist ins Ausland (EU) verzogen → EZB

Bekannte Inkasso-Unternehmen in Österreich

KSV1870(ksv.at)
Auskunftei + Inkasso

Kreditschutzverband von 1870 — Österreichs größte Wirtschaftsauskunftei und Inkasso-Dienstleister. Gut vernetzt, hohe Schuldnerreaktion wegen KSV-Eintrag-Androhung.

Creditreform(creditreform.at)
B2B-Inkasso

Internationales Netzwerk, stark im B2B-Bereich. Gut für grenzüberschreitende Forderungen (z.B. Deutschland, Tschechien).

CRIF(crif.com/at)
Auskunftei + Inkasso

Kombination aus Wirtschaftsauskunftei und Forderungsmanagement. Besonders stark in der Bonitätsprüfung vor Auftragsannahme.

Tipp: Vor Beauftragung eines Inkasso-Büros: Prüfe, ob der Schuldner noch unter der bekannten Adresse erreichbar ist (ZMR-Abfrage möglich). Außerdem: Schicke das Inkasso-Büro erst los, wenn du alle relevanten Unterlagen parat hast — Rechnung, Mahnungen mit Datum, Zahlungsbeleg (nicht vorhanden), Vertrag oder Auftragsbestätigung.

4. Mahnklage beim Bezirksgericht — so geht es

Die Mahnklage (§ 244 ff. ZPO) ist das schnellste gerichtliche Instrument für unbestrittene Geldforderungen in Österreich. Sie funktioniert ohne Verhandlung — solange der Schuldner keinen Widerspruch einlegt.

Zuständigkeit und Ablauf

1

Zuständiges Gericht bestimmen

Das Bezirksgericht ist für Geldforderungen bis €75.000 zuständig (§ 49 JN). Zuständig ist das Gericht am Wohnsitz/Sitz des Schuldners. Ab €75.001 ist das Landesgericht zuständig — dann ist anwaltliche Vertretung Pflicht.

2

Mahnklage einreichen

Die Mahnklage wird schriftlich beim Bezirksgericht eingereicht — persönlich, per Post oder elektronisch über ERV (Elektronischer Rechtsverkehr). Das Formular 'Antrag auf Erlassung eines Zahlungsbefehls' findest du auf der Justiz-Website (justiz.gv.at). Bis €5.000 brauchst du keinen Anwalt.

3

Zahlungsbefehl ergeht

Das Gericht prüft nur formal (keine inhaltliche Prüfung). Ist alles in Ordnung, ergeht der Zahlungsbefehl an den Schuldner. Dieser hat 4 Wochen Zeit, Einspruch einzulegen.

4a

Kein Einspruch → Exekutionstitel

Legt der Schuldner keinen Einspruch ein, wird der Zahlungsbefehl rechtskräftig und vollstreckbar. Du kannst sofort die Exekution beantragen.

4b

Einspruch → ordentliches Verfahren

Legt der Schuldner Einspruch ein, wird das Mahnverfahren in ein ordentliches Klageverfahren umgewandelt. Dann kommt es zur mündlichen Verhandlung — und die anwaltliche Vertretung empfiehlt sich.

Was muss in die Mahnklage?

  • Vollständige Bezeichnung von Kläger (du) und Beklagtem (Schuldner)
  • Zuständiges Gericht
  • Streitwert (Hauptforderung) und Verzugszinsen (Zinssatz, ab wann)
  • Kurze Begründung: Wann wurde was geleistet, welche Rechnung, seit wann offen
  • Beilagen: Rechnung(en), Mahnschreiben (als Beweis), ggf. Vertrag/Auftragsbestätigung
  • Antrag auf Kostenersatz (Gerichtsgebühren müssen Schuldner angelastet werden)

Gerichtsgebühren (GGG): Die Pauschalgebühr für eine Mahnklage richtet sich nach dem Streitwert. Beispiele: Bei €500 Streitwert ca. €27; bei €1.000 ca. €40; bei €5.000 ca. €127; bei €10.000 ca. €215; bei €50.000 ca. €818. Diese Kosten werden im Erfolgsfall dem Schuldner angelastet.

5. Europäischer Zahlungsbefehl — für grenzüberschreitende EU-Forderungen

Hat dein Kunde seinen Sitz in einem anderen EU-Mitgliedstaat (z.B. Deutschland, Tschechien, Ungarn), ist der Europäische Zahlungsbefehl (EZB) das richtige Instrument. Er basiert auf der EG-Verordnung Nr. 1896/2006 und ermöglicht die grenzüberschreitende Eintreibung ohne langwierige Prozesse im Ausland.

Voraussetzungen EZB

  • ✓ Grenzüberschreitende Rechtssache (Gläubiger und Schuldner in verschiedenen EU-Staaten)
  • ✓ Geldforderung (keine Naturalleistung)
  • ✓ Fälligkeit zum Zeitpunkt der Antragstellung
  • ✓ Gilt für alle EU-Staaten außer Dänemark

Ablauf EZB

  • 1. Antrag auf Formblatt A beim Bezirksgericht Wien Innere Stadt
  • 2. Gericht prüft und erlässt EZB
  • 3. Schuldner hat 30 Tage Zeit für Einspruch
  • 4. Kein Einspruch → in allen EU-Staaten vollstreckbar
  • 5. Einspruch → nationale Gerichtsverfahren im Schuldnerstaat

Für Drittstaaten (z.B. UK, Schweiz, USA): Hier gibt es kein einheitliches EU-Instrument. Forderungen gegen Schuldner in Drittstaaten müssen über bilaterale Abkommen oder nationalen Klagsweg im jeweiligen Land eingetrieben werden — in der Regel nur mit Unterstützung eines lokalen Anwalts wirtschaftlich sinnvoll.

6. Exekution: Was passiert wenn der Schuldner immer noch nicht zahlt

Hast du einen rechtskräftigen Zahlungsbefehl oder ein Urteil (den sogenannten Exekutionstitel), aber der Schuldner zahlt trotzdem nicht, kannst du beim zuständigen Bezirksgericht die Exekution (Zwangsvollstreckung)beantragen. Das Exekutionsrecht ist in der Exekutionsordnung (EO) geregelt.

Die wichtigsten Exekutionsarten

Forderungsexekution (Lohn-/Gehaltspfändung)

§ 290 ff. EO

Pfändung des Einkommens des Schuldners. Der Arbeitgeber muss einen pfändbaren Teil des Lohns direkt an den Gläubiger überweisen. Pfändungsfreigrenze 2026: ca. €1.281/Monat netto.

Sehr effektiv bei Unselbstständigen

Bankkonten-Exekution

§ 292a EO

Pfändung von Bankguthaben. Das Kreditinstitut überweist das Guthaben (über dem Pfändungsschutz-Minimum) an den Gläubiger. Schnell und direkt — aber Schuldner kann Konto räumen.

Schnell, wenn Guthaben vorhanden

Fahrnisexekution

§ 249 ff. EO

Pfändung und Versteigerung beweglicher körperlicher Sachen (Fahrzeuge, Maschinen, Wertgegenstände). Ein Gerichtsvollzieher kommt und schätzt pfändbare Gegenstände.

Mäßig — viele Sachen sind unpfändbar

Immobilienexekution

§ 87 ff. EO

Zwangsversteigerung von Liegenschaften. Aufwendig, langwierig (1–3 Jahre), aber bei werthaltigen Immobilien sehr effektiv. Nur wenn Schuldner Eigentümer ist.

Sehr effektiv, aber langwierig

Was tun wenn der Schuldner zahlungsunfähig ist?

Ist der Schuldner nachweislich zahlungsunfähig (kein Einkommen, kein Vermögen, kein Konto), bleibt die Forderung vorerst uneinbringlich. Du kannst:

  • → Den Exekutionstitel aufbewahren (30 Jahre gültig nach § 1489 ABGB)
  • → Bei Insolvenzantrag des Schuldners: Forderung beim Insolvenzverwalter anmelden
  • → Die uneinbringliche Forderung als Betriebsausgabe abschreiben (§ 4 EStG)
  • → Regelmäßig prüfen, ob sich die Vermögenslage des Schuldners ändert

7. Kosten im Überblick: INKV, Gerichtsgebühren, wer zahlt was

Inkasso-Gebühren sind in Österreich durch das Inkassoentgeltsgesetz (INKV)gedeckelt. Die folgende Tabelle zeigt die Schritte bei Zahlungsausfall mit Zeitraum, Kosten und Erfolgschancen — damit du weißt, womit du rechnen musst.

SchrittZeitraumKosten (ca.)Wer zahltErfolgschance
ZahlungserinnerungTag 5–7Kostenlos70–80 %
1. MahnungTag 19–21€5–€20 (Porto, Zeit)Gläubiger vorgestreckt10–15 %
2. Mahnung (letzte)Tag 33–35€5–€20Gläubiger vorgestreckt5 %
Inkasso (€500 Forderung)Ab Tag 45Max. ~€30 (INKV)Im Erfolgsfall: Schuldner30–50 %
Inkasso (€1.000 Forderung)Ab Tag 45Max. ~€62 (INKV)Im Erfolgsfall: Schuldner30–50 %
Inkasso (€5.000 Forderung)Ab Tag 45Max. ~€210 (INKV)Im Erfolgsfall: Schuldner30–50 %
Mahnklage (€500)Ab Misserfolg Inkasso~€27 GGGIm Erfolgsfall: SchuldnerHoch (wenn kein Widerspruch)
Mahnklage (€5.000)Ab Misserfolg Inkasso~€127 GGGIm Erfolgsfall: SchuldnerHoch (wenn kein Widerspruch)
ExekutionNach Rechtskraft€50–€200+Vorgestreckt, zurückforderbarAbhängig v. Vermögen

INKV-Grundsatz: Die Inkasso-Gebühren nach INKV sind Höchstsätze — im Erfolgsfall werden sie dem Schuldner angelastet. Scheitert das Inkasso, weil der Schuldner zahlungsunfähig ist, trägt der Gläubiger die Kosten. Viele Inkasso-Büros bieten daher "No-Win-No-Fee"-Modelle an: Du zahlst nur, wenn Geld fließt.

8. Verjährung: Wann verjähren Forderungen in Österreich?

Die Verjährung ist eine der häufigsten Fallen für EPU: Wer zu lange wartet, verliert den Anspruch auf gerichtliche Durchsetzung seiner Forderung. Das österreichische ABGB kennt mehrere Verjährungsfristen.

3 Jahre

Kurze Verjährung (für Handels- und Dienstleistungsforderungen)

§ 1486 ABGB

Gilt für die meisten Alltagsforderungen von EPU: Honorare für erbrachte Dienstleistungen, Kaufpreisforderungen zwischen Kaufleuten, Mieten, Pachten, Lohnforderungen. Die Frist beginnt mit Fälligkeit der Forderung.

Beispiel: Rechnung vom 1. April 2023, Zahlungsziel 30. April 2023 → verjährt am 30. April 2026.

30 Jahre

Lange Verjährung (allgemeine Frist)

§ 1489 ABGB

Gilt als Auffangtatbestand für Forderungen, die nicht unter die kurzen Fristen fallen. Besonders relevant: Schadenersatzforderungen nach bekanntem Schaden und Täter. Auch: rechtskräftige Urteile und Exekutionstitel verjähren erst nach 30 Jahren.

Beispiel: Rechtskräftiger Zahlungsbefehl vom 1. Mai 2026 → vollstreckbar bis 1. Mai 2056.

Verjährung unterbrechen — so geht es

Die Verjährungsfrist kann unterbrochen oder gehemmt werden. Dadurch beginnt sie neu zu laufen:

  • Klage einbringen (§ 1497 ABGB): Die Verjährung wird mit Einbringung der Klage oder des Mahnklage-Antrags unterbrochen. Die Frist beginnt neu, wenn das Verfahren endet.
  • Schuldanerkenntnis (§ 1497 ABGB): Wenn der Schuldner die Schuld schriftlich oder mündlich anerkennt (auch durch Teilzahlung), wird die Verjährung unterbrochen.
  • Mahnschreiben (§ 1497 ABGB): Ein schriftliches Mahnschreiben kann unter bestimmten Umständen die Verjährung hemmen — sicherer ist jedoch die Klage.

Praxis-Warnung: Viele EPU verlassen sich auf ihre Mahnschreiben als Verjährungsunterbrechung — das ist rechtlich unsicher! Wenn die Verjährungsfrist naht (also fast 3 Jahre nach Fälligkeit), solltest du unbedingt eine Mahnklage einbringen. Das kostet wenig, sichert aber die Forderung ab.

9. Praktische Tipps für EPU: Vorbeugung ist besser als Eintreiben

Die beste Inkasso-Strategie ist die, die du nie brauchst. Mit diesen Maßnahmen reduzierst du das Risiko von Zahlungsausfällen erheblich:

📄

Schriftliche Verträge und Auftragsbestätigungen

Jeder Auftrag ab €200 sollte schriftlich bestätigt sein — per E-Mail genügt. Im Streitfall brauchst du den Beweis, dass die Leistung beauftragt war. Ohne Schriftform wird es schwer, die Forderung durchzusetzen.

📋

AGB mit klaren Zahlungsbedingungen

Deine Allgemeinen Geschäftsbedingungen sollten Zahlungsziel (max. 30 Tage gemäß § 904 ABGB), Verzugszinssatz, Mahngebühren und Eigentumsvorbehaltsklausel enthalten. Einmal erstellt — für alle Aufträge gültig.

💰

Vorauszahlungen und Anzahlungen

Bei Neukunden oder großen Projekten: Vereinbare eine Anzahlung von 30–50 % vor Beginn. Das reduziert dein Risiko drastisch und zeigt dir gleichzeitig, ob der Kunde zahlungsfähig und -willig ist.

🔍

Bonitätsprüfung vor großen Aufträgen

Für Aufträge über €2.000 lohnt sich eine Bonitätsauskunft via KSV1870 oder CRIF (ab ca. €5 pro Abfrage). So erkennst du schlechte Zahler vor Auftragsannahme.

Factoring: Forderungen sofort verkaufen

Factoring-Anbieter kaufen deine Forderungen gegen einen Abschlag (3–8 %) sofort ab — du erhältst das Geld unmittelbar, der Anbieter übernimmt das Inkasso-Risiko. Für EPU mit regelmäßigen B2B-Kunden eine interessante Alternative.

📊

Offene Rechnungen im Blick behalten

Nutze ein Rechnungsprogramm mit automatischer Überwachung überfälliger Rechnungen. Je früher du reagierst, desto höher die Erfolgsquote. Viele Forderungen werden nicht bezahlt, weil der Selbstständige das Follow-up vergisst.

Rechnito — Rechnungen schreiben, Mahnwesen automatisieren

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10. Häufige Fragen: Inkasso in Österreich für EPU

Ab wann sollte ich ein Inkasso-Unternehmen beauftragen?
Ein Inkasso-Büro lohnt sich typischerweise, wenn zwei Mahnungen erfolglos geblieben sind und der Schuldner nicht reagiert. Als Faustregel gilt: Bei Forderungen unter €500 sind die Inkasso-Kosten oft unverhältnismäßig — hier kann ein Mahnschreiben durch einen Rechtsanwalt günstiger sein. Ab €500 bis €1.000 aufwärts ist Inkasso sinnvoll, wenn der Schuldner grundsätzlich zahlungsfähig erscheint. Reagiert der Schuldner gar nicht, ist der direkte Weg zur Mahnklage beim Bezirksgericht oft effizienter.
Was kostet Inkasso in Österreich — und wer zahlt die Gebühren?
Inkasso-Gebühren in Österreich sind durch das Inkassoentgeltsgesetz (INKV) gedeckelt. Die Höhe richtet sich nach der Forderungssumme: Bei €200 Forderung sind es max. ca. €18, bei €1.000 ca. €62, bei €5.000 ca. €210. Im Erfolgsfall kann das Inkasso-Büro die Kosten vom Schuldner eintreiben — dieser trägt sie also. Wenn das Inkasso scheitert (weil der Schuldner zahlungsunfähig ist), bleiben die Kosten beim Gläubiger. Viele Inkasso-Büros arbeiten auf 'No-Win-No-Fee'-Basis, d.h. du zahlst nur bei Erfolg.
Wie lange kann ich eine unbezahlte Rechnung in Österreich einklagen?
Die Verjährungsfrist hängt von der Art der Forderung ab. Für Leistungen aus Handelsgeschäften (typisch für EPU gegenüber Unternehmern) gilt gemäß § 1486 ABGB eine 3-jährige Frist. Ebenso verjähren Dienstleistungsforderungen (Honorare, Beratungsleistungen) nach 3 Jahren. Die allgemeine Verjährungsfrist nach § 1489 ABGB beträgt 30 Jahre, gilt aber für Forderungen aus unerlaubten Handlungen (z.B. Schadenersatz). Für den Alltag als EPU: Rechne immer mit 3 Jahren ab Fälligkeit der Rechnung.
Was ist eine Mahnklage und wie reiche ich sie ein?
Die Mahnklage (§ 244 ZPO) ist das schnellste gerichtliche Verfahren in Österreich für unbestrittene Geldforderungen. Du reichst beim zuständigen Bezirksgericht (für Forderungen bis €75.000 zuständig) einen Antrag auf Erlassung eines Zahlungsbefehls ein. Der Schuldner bekommt 4 Wochen Zeit, Widerspruch einzulegen. Tut er das nicht, wird der Zahlungsbefehl rechtskräftig und du kannst direkt die Exekution beantragen. Die Klage kannst du persönlich einreichen — eine anwaltliche Vertretung ist im Bezirksgerichtsverfahren bis €5.000 nicht zwingend erforderlich.
Kann ich Inkasso-Kosten als Betriebsausgabe absetzen?
Ja. Inkasso-Gebühren, Anwaltskosten und Gerichtskosten, die im Zusammenhang mit der Eintreibung einer betrieblichen Forderung entstehen, sind als Betriebsausgaben absetzbar (§ 4 Abs. 4 EStG). Voraussetzung ist, dass die ursprüngliche Forderung selbst betrieblich war (Honorar für erbrachte Leistungen). Auch ausständige Forderungen, die endgültig uneinbringlich sind, können als 'uneinbringliche Forderungen' als Betriebsausgabe erfasst werden.
Was ist der Unterschied zwischen Inkasso und gerichtlicher Betreibung?
Inkasso ist ein außergerichtliches Verfahren: Ein Inkasso-Büro versucht, den Schuldner durch Mahnschreiben, Gespräche und Druck zur freiwilligen Zahlung zu bewegen. Es gibt keinen Richter, kein Urteil. Die gerichtliche Betreibung beginnt mit der Mahnklage oder Klage beim Gericht. Wenn der Schuldner verurteilt wird (oder keinen Widerspruch einlegt), erhält man einen vollstreckbaren Titel — und kann dann Exekution (Pfändung, Fahrnisexekution etc.) beantragen. Nur mit einem Gerichtstitel kann man zwangsweise auf das Vermögen des Schuldners zugreifen.

Weiterführende Ratgeber

Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Gesetzliche Regelungen, Fristen und Gebühren können sich ändern. Für deine individuelle Situation — insbesondere bei größeren Forderungen oder strittigen Sachverhalten — empfehlen wir die Beratung durch einen österreichischen Rechtsanwalt. Aktuelle Gesetzestexte: ris.bka.gv.at. Gerichtskostenrechner: justiz.gv.at. Offizielle Inkasso-Information: wko.at.