Stundensatz berechnen: So findest du deinen fairen Preis als Selbstständiger

Zu niedrig angesetzt — du arbeitest viel und verdienst zu wenig. Zu hoch — du bekommst keine Aufträge. Dieser Guide zeigt dir, wie du deinen Stundensatz in Österreich realistisch berechnest.

Auf einen Blick

Stundensatz = (Jahreskosten + Zielgehalt + Aufschlag für Ausfallzeit) ÷ fakturierbare Stunden. Faustregel für Österreich: 2,5–3x deinen früheren Angestellten-Stundensatz. Dazu Marktcheck: Was verlangen andere in deiner Branche?

Warum der richtige Stundensatz entscheidend ist

Viele Selbstständige in Österreich — besonders am Anfang — setzen ihren Stundensatz zu niedrig an. Das Ergebnis: Zu viel Arbeit, zu wenig Einkommen, keine Rücklagen für schlechte Monate. Ein realistischer Stundensatz berücksichtigt alle Kosten, die Angestellte gar nicht sehen: SVS-Beiträge, Steuern, Betriebskosten, Akquisitionszeit und das Risiko von Auftragslücken.

Die gute Nachricht: Ein zu hoher Stundensatz ist selten das Problem. Aufträge gehen fast nie allein wegen des Preises verloren — häufiger liegt es an unklarer Kommunikation des Wertes, fehlendem Vertrauen oder falscher Zielgruppe. Dieser Guide hilft dir, beides zu lösen: den richtigen Satz berechnen und ihn selbstbewusst vertreten.

Die Grundformel: So berechnest du deinen Stundensatz

Es gibt zwei Ansätze: Bottom-up (von deinen Kosten ausgehend) und Top-down (vom Marktpreis ausgehend). Der Bottom-up-Ansatz stellt sicher, dass du nicht unter deinen Kosten arbeitest. Der Top-down-Ansatz stellt sicher, dass du marktfähig bist. Idealerweise machst du beides und vergleichst — der höhere Wert ist dein Ziel-Stundensatz.

Stundensatz = Gesamtkosten pro Jahr ÷ fakturierbare Stunden pro Jahr

Schritt 1: Fakturierbare Stunden berechnen

Ein Jahr hat ca. 1.760 Arbeitsstunden (220 Tage × 8 Std.). Davon sind aber nicht alle fakturierbar:

  • Akquisition / Marketing: ca. 15–20%
  • Administration / Buchhaltung: ca. 10%
  • Urlaub / Krankheit: ca. 10–15%
  • Fortbildung: ca. 5%

Realistisch fakturierbar: ca. 1.000–1.300 Stunden/Jahr (bei 40h-Woche). Viele Freelancer rechnen mit 1.000–1.200 Stunden als Basis.

Schritt 2: Jahreskosten zusammenrechnen

  • SVS-Beiträge: ca. 26,83% des Gewinns (Vorschuss auf Basis des Vorjahres)
  • Einkommensteuer: progressiv, ab € 12.816 Freibetrag
  • Betriebskosten: Software, Büro, Versicherungen, Steuerberater
  • Krankenversicherung: In SVS-Beitrag enthalten
  • Haftpflichtversicherung: je nach Beruf € 200–800/Jahr

Schritt 3: Zielgehalt festlegen

Was willst du netto pro Monat verdienen? Merke: Du bekommst kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Wenn du € 2.500 netto/Monat anstrebst, brauchst du ca. € 60.000–70.000 Brutto-Jahresumsatz (je nach SVS-Beitrag und Betriebskosten).

Beispielrechnung: IT-Freelancer in Wien

Gewünschtes Nettoeinkommen:€ 36.000/Jahr
SVS + ESt (Schätzung ~40%):€ 24.000/Jahr
Betriebskosten (Software, Büro, etc.):€ 8.000/Jahr
Gesamtkosten:€ 68.000/Jahr
Fakturierbare Stunden:1.200 h/Jahr
Stundensatz (Minimum):€ 56,67/h

Das ist der Mindestsatz. Mit einem Marktaufschlag (Erfahrung, Nachfrage) und Puffer für Verhandlungen empfiehlt sich ein Angebotspreis von € 75–90/Stunde.

Typische Stundensätze nach Branche in Österreich (2026)

BrancheJuniorSenior
IT / Software-Entwicklung€ 70–90€ 100–150
Webdesign / UX€ 55–75€ 85–120
Unternehmensberatung€ 90–120€ 150–250
Marketing / SEO€ 50–70€ 80–130
Grafikdesign€ 45–65€ 70–100
Übersetzung / Texterstellung€ 35–50€ 60–90
Fotografie / Video€ 50–70€ 80–120
Buchhaltung / Steuerberatung€ 60–80€ 100–160

Diese Richtwerte gelten für den österreichischen Markt. Projektarbeit über internationale Plattformen (Toptal, Upwork, GULP) ermöglicht oft 20–40% höhere Sätze, da die Konkurrenz europaweit besteht.

Stundensatz erhöhen — So machst du es richtig

Den Stundensatz einmal festzulegen reicht nicht. Wer seinen Satz drei Jahre lang nicht anhebt, verliert real an Kaufkraft — und signalisiert dem Markt, dass seine Leistung gleich geblieben ist, obwohl Erfahrung und Expertise gewachsen sind.

Jährliche Erhöhung als Pflichtprogramm

Die Faustregel: Erhöhe deinen Stundensatz jedes Jahr um mindestens die Inflationsrate. 2024 und 2025 lag diese in Österreich bei 3–5%. Das bedeutet: Ein Satz von € 80/h sollte in zwei Jahren auf mindestens € 87–88/h steigen, nur um die Kaufkraft zu erhalten. Dazu kommt der Aufschlag für wachsende Expertise und Marktreputation.

  • Inflationsausgleich: +3–5% pro Jahr (Pflicht)
  • Erfahrungsaufschlag: +5–10% nach jedem abgeschlossenen Leuchtturm-Projekt
  • Spezialisierungsaufschlag: +10–20% wenn du in einer Nische zur Anlaufstelle wirst

Neue Kunden vs. Bestandskunden — zwei verschiedene Strategien

Bei neuen Kunden gilt der aktuelle Marktpreis sofort. Du musst deinen neuen Satz nicht rechtfertigen — er ist einfach dein Preis. Neue Kunden kennen deinen alten Satz nicht.

Bei Bestandskunden ist Fingerspitzengefühl gefragt. Hier gilt:

  • Ankündigung mindestens 4–6 Wochen vor Inkrafttreten
  • Schriftlich kommunizieren (E-Mail, kein Telefonat)
  • Übergangszeit anbieten: laufende Projekte noch zum alten Satz abschließen
  • Niemals mehr als 20–25% auf einmal erhöhen — sonst schockt es selbst gute Kunden

Formulierung für die Preiserhöhungskommunikation

Muster-E-Mail (anpassbar):

"Liebe/r [Name], ich freue mich, auch weiterhin für Sie tätig zu sein. Ab dem 1. [Monat/Jahr] passe ich meinen Stundensatz auf € [X] netto an. Das spiegelt meine gestiegene Erfahrung sowie die allgemeine Marktentwicklung wider. Laufende Projekte führen wir selbstverständlich zu den bisherigen Konditionen zu Ende. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung."

Tipp: Kein "leider", kein "muss ich leider mitteilen" — selbstbewusst formulieren.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

  • Nach einem erfolgreichen Projektabschluss: Dann ist die Zufriedenheit beim Kunden am höchsten
  • Zum Jahreswechsel: Einfach zu kommunizieren, klingt natürlich
  • Nach einer Zertifizierung oder Weiterbildung: Begründung liegt auf der Hand
  • Wenn die Nachfrage steigt: Ausgebuchte Kapazität ist das stärkste Signal für eine Erhöhung

Gut verhandelte Angebote sind die Voraussetzung für jede Preiserhöhung. Wie du ein professionelles Angebot schreibst, erklärt unser Angebot-schreiben-Guide.

Verhandlungstipps für deinen Stundensatz

Den richtigen Stundensatz zu kennen ist eine Sache — ihn auch durchzusetzen eine andere. Viele Freelancer unterschätzen, wie viel Spielraum in Preisverhandlungen steckt. Mit den richtigen Techniken kannst du deinen Wunschsatz häufiger erzielen.

Anker-Effekt: Nenn zuerst einen höheren Wert

Wer zuerst eine Zahl nennt, setzt den Anker für die gesamte Verhandlung. Nenn deinen Wunschstundensatz — nicht deinen Mindestsatz. Wenn du € 100/h anstrebst, starte bei € 110–115/h. So hast du Spielraum für Zugeständnisse und landest trotzdem wo du hinwolltest.

Paketdenken: Statt Stundensatz ein Projektpaket anbieten

Ein fixer Projektsatz ("Ihr neuer Webauftritt inkl. 3 Seiten, Copy und Abnahme: € 3.500 netto") vermeidet die Stunden-Diskussion vollständig. Der Kunde kauft ein Ergebnis, nicht Zeit. Wenn du schneller wirst mit der Zeit, steigt dein effektiver Stundensatz automatisch — ohne dass der Kunde es merkt.

Nie mit Kostendruck begründen

"Ich muss die SVS-Beiträge bezahlen" oder "meine Miete ist gestiegen" sind keine überzeugenden Argumente für einen Kunden. Er kauft Wert, nicht deine Fixkosten. Begründe deinen Preis immer mit dem Nutzen für den Kunden:

  • "Durch meine Erfahrung spare ich Ihnen mindestens 20 Stunden Einarbeitung"
  • "Ich habe das gleiche Problem bereits dreimal gelöst — wir werden keine Zeit verschwenden"
  • "Mein Spezialisierungsgrad in [Bereich] ist im österreichischen Markt selten"

Schriftlich bestätigen — immer

Nach jeder mündlichen Einigung: sofort schriftlich bestätigen. Eine kurze E-Mail mit "Wie besprochen, starte ich am [Datum] zu € [X]/h netto" schützt vor Missverständnissen und setzt den Rahmen für die spätere Rechnung. Noch besser: ein formales Angebot mit Unterschrift oder digitaler Bestätigung.

Marktrecherche: Was verlangen andere in deiner Branche?

Dein intern berechneter Mindestsatz sagt dir, unter welchem Preis du nicht gehen kannst. Aber er sagt dir nicht, was der Markt bereit ist zu zahlen. Dafür brauchst du Marktrecherche.

Wie du Marktpreise herausfindest

  • Freelancer-Plattformen: Auf Plattformen wie Freelancermap.at, GULP oder Upwork sind Stundensätze oft öffentlich oder auf Anfrage einsehbar. Such nach Profilen mit ähnlicher Erfahrung und Spezialisierung.
  • Branchenverbände: Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und viele Fachverbände veröffentlichen jährlich Honorarempfehlungen für ihre Berufsgruppen.
  • Netzwerk: Frag Kollegen in vergleichbarer Position — am besten in Freelancer-Communities (Slack-Gruppen, LinkedIn, lokale Meetups).
  • Stellenausschreibungen: Angestellten-Gehälter (z.B. auf Gehalt.at oder StepStone) geben dir einen Hinweis. Regel: Als Freelancer 2,5–3x das Angestellten-Äquivalent.

Positionierung: Nische schlägt Generalist

Je enger deine Nische, desto höher dein Stundensatz. Ein "React-Entwickler" konkurriert mit tausenden anderen. Ein "React-Entwickler spezialisiert auf Fintech-Compliance-UIs in Österreich" hat kaum direkte Konkurrenten und kann entsprechend mehr verlangen.

Positionierungs-Strategie für Stundensatzerhöhungen:

  1. Identifiziere, in welchem Bereich deine Erfahrung am tiefsten ist
  2. Kommuniziere diese Spezialisierung aktiv (LinkedIn, Website, Angebote)
  3. Nehme gezielt Projekte an, die diese Spezialisierung stärken
  4. Erhöhe nach 6–12 Monaten den Stundensatz für Neukunden in dieser Nische

Ein durchdachtes Angebot ist der erste Schritt zur richtigen Positionierung. Unser Leitfaden zum Angebotsschreiben zeigt dir, wie du Wert kommunizierst — nicht nur Preis.

5 häufige Fehler beim Stundensatz

  1. Nicht-fakturierbare Zeit vergessen: 30–50% der Arbeitszeit bringt kein Geld — das muss der Stundensatz abdecken
  2. SVS-Beiträge unterschätzen: 26,83% auf den Gewinn sind erheblich — plane sie von Anfang an ein
  3. Keine Rücklage für Auftragslücken: 1–2 Monate Reserve sind Pflicht
  4. Zu hohe Rabatte: Rabattiere deinen Stundensatz nie um mehr als 10–15% — lieber weniger Umfang
  5. Nie den Stundensatz erhöht: Erhöhe deinen Satz jährlich mindestens um die Inflation (3–5%)

Stundensatz vs. Tagessatz vs. Projektpreis

Als Alternative zum Stundensatz gibt es:

  • Tagessatz: Stundensatz × 8 (oder 7). Üblich in IT und Consulting (€ 600–1.200/Tag)
  • Projektpreis: Fixpreis für ein definiertes Ergebnis. Mehr Risiko, aber höheres Potenzial
  • Retainer: Monatspauschale für laufende Leistungen. Planungssicherheit für beide

Der Tagessatz ist im österreichischen B2B-Markt besonders verbreitet, weil er für beide Seiten einfach zu planen ist. Für längere Projekteinsätze (mehrere Tage pro Woche beim Kunden) ist er dem Stundensatz fast immer vorzuziehen.

Wann welches Modell?

ModellGeeignet fürRisiko
StundensatzLaufende Zusammenarbeit, unklarer ScopeDiskussionen über einzelne Stunden
TagessatzVor-Ort-Einsätze, IT-/BeratungsprojekteHalbe Tage schwer abzurechnen
ProjektpreisKlar definiertes Ergebnis (Website, Logo)Scope-Creep frisst Marge
RetainerLaufende SEO, Social, BuchhaltungLeistungsumfang klar definieren

Stundensatz auf Rechnung richtig ausweisen

Auf deiner Rechnung musst du den Stundensatz transparent darstellen:

  • Leistungsbeschreibung: z.B. "10 Stunden Webentwicklung à € 85"
  • Nettobetrag, MwSt-Satz (oder Kleinunternehmerhinweis), Bruttobetrag
  • Bei Kleinunternehmer: keine USt ausweisen (§ 6 Abs. 1 Z 27 UStG)

Mit Rechnito erstellst du professionelle Honorarnoten und Rechnungen in Minuten — mit automatischer MwSt-Berechnung und PDF-Download. Mehr zur Honorarnote erklärt unser Honorarnote-Guide.

Umsatzsteuer und Stundensatz — Was du berechnen musst

Die Umsatzsteuer ist einer der häufigsten Stolpersteine für neu gegründete EPU. Ob und wie du USt ausweist, hat direkte Auswirkungen auf deinen effektiven Stundensatz und die Preisgestaltung gegenüber Kunden.

Kleinunternehmer: Unter € 42.000 Umsatz netto (2026)

Liegt dein Jahresumsatz unter der Kleinunternehmergrenze (2026: € 42.000 netto), bist du von der Umsatzsteuer befreit. Das bedeutet: Du stellst keine USt in Rechnung und kannst auch keine Vorsteuer geltend machen.

Wichtig: Auch als Kleinunternehmer musst du deinen Stundensatz so kalkulieren, dass er wettbewerbsfähig ist. Kunden im B2B-Bereich (die selbst vorsteuerabzugsberechtigt sind) zahlen bei dir effektiv 20% weniger als bei einem regelbesteuerten Konkurrenten — das kann ein Vorteil sein, den du im Angebot hervorheben kannst.

  • Rechnung ohne USt-Ausweis (Hinweis: "Gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG umsatzsteuerbefreit")
  • Kein Vorsteuerabzug für eigene Betriebsausgaben
  • Bei Überschreiten der Grenze: Wechsel zur Regelbesteuerung ab dem Folgejahr

Mehr zu den steuerlichen Auswirkungen für Kleinunternehmer erklärt unser Kleinunternehmer-Steuern-Guide.

Regelbesteuerung: 20% auf den Stundensatz

Bist du regelbesteuert (Umsatz über € 42.000 oder freiwillig optiert), weist du 20% USt auf deinen Netto-Stundensatz aus. Das heißt:

Netto-Stundensatz:€ 100,00
+ 20% USt:€ 20,00
Brutto für den Kunden:€ 120,00

Als Selbstständiger behältst du die € 100 netto — die € 20 USt führst du an das Finanzamt ab (via FinanzOnline, monatlich oder quartalsweise). Im Gegenzug erhältst du die Vorsteuer auf deine eigenen Betriebsausgaben zurück.

  • Gegenüber Privatkunden: Der Bruttopreis (€ 120) ist der echte Preis — kommuniziere ihn klar
  • Gegenüber B2B-Kunden: Immer netto + MwSt-Ausweis. Der Kunde holt sich die USt als Vorsteuer zurück
  • Im Angebot: Immer "€ X netto zzgl. 20% USt" schreiben, nie nur den Bruttobetrag

Tipp: Berechne deinen Stundensatz immer auf Nettobasis und füge die USt separat hinzu. So vermeidest du, dass du beim Jahresabschluss feststellst, dass du 20% deines Umsatzes ans Finanzamt abführen musst, ohne es einkalkuliert zu haben.

Einen detaillierten Überblick über SVS-Beiträge und deren Berechnung findest du in unserem SVS-Guide für EPU 2026.

Checkliste: Stundensatz korrekt festgelegt?

Bevor du deinen Stundensatz in Angeboten und Rechnungen verwendest, prüfe diese Punkte:

Fakturierbare Stunden realistisch berechnet (nicht 1.760, sondern 1.000–1.300/Jahr)?
SVS-Beiträge (ca. 26,83% des Gewinns) einkalkuliert?
Einkommensteuer einkalkuliert (progressiver Tarif ab € 12.816)?
Betriebskosten erfasst (Software, Büro, Steuerberater, Versicherungen)?
Ausfallzeiten und Akquisitionszeit eingerechnet?
Marktcheck gemacht: Was verlangen andere in meiner Branche/Region?
Puffer für Verhandlung eingebaut (Angebotspreis > Mindestsatz)?
Klarheit über USt-Status: Kleinunternehmer oder regelbesteuert?
Erhöhungsstrategie geplant: Wann und um wie viel erhöhe ich nächstes Jahr?

Zeiterfassung — Tools und Methoden

Ein präziser Stundensatz nützt wenig, wenn du nicht weißt, wie viele Stunden du tatsächlich pro Projekt arbeitest. Zeiterfassung ist die Grundlage für korrekte Rechnungsstellung, Nachkalkulation und die Optimierung deines Stundensatzes über die Zeit.

Digitale Tools für Freelancer

  • Toggl Track — Kostenlos bis 5 User, einfachste Bedienung, App für iOS/Android, Browser-Plugin. Ideal für Einsteiger. Berichte exportierbar als CSV/PDF.
  • Clockify — "Free forever"-Modell, unlimitierte User und Projekte. Etwas mehr Funktionen als Toggl in der Gratis-Version. Auch auf Deutsch verfügbar.
  • Harvest — Kostenpflichtig (ab ca. € 12/Monat), dafür direkt mit Rechnungsstellung verknüpft. Sinnvoll wenn du viele Projekte parallel laufen hast und direkt aus der Zeiterfassung Rechnungen erstellen willst.
  • Excel / Numbers / Google Sheets — Die einfachste Variante. Eine Tabelle mit Datum, Projekt, Tätigkeitsbeschreibung und Stunden reicht für viele EPU vollkommen aus. Vorteil: kein Tool-Abo, volle Kontrolle.

Warum Zeiterfassung pro Projekt wichtig ist

Ohne Zeiterfassung weißt du nach einem Projekt nicht, ob du Geld verdient oder draufgelegt hast. Die Nachkalkulation — also der Vergleich von geplantem und tatsächlichem Aufwand — ist der wichtigste Input für deinen nächsten Stundensatz:

  • Projekt dauerte 40h statt geplanten 25h? Stundensatz war zu niedrig oder Scope unklar
  • Projekt fertig in 15h statt 25h? Du wirst effizienter — erhöhe beim nächsten Mal den Projektpreis
  • Bestimmte Kunden kosten immer mehr Zeit als verrechnet? Dann ist der richtige Stundensatz für sie höher

Empfehlung: Erfasse Zeit nicht stündlich, sondern in Blöcken von 15–30 Minuten. Starte die Zeiterfassung sofort wenn du mit einem Projekt anfängst — im Nachhinein rekonstruieren kostet mehr Zeit und ist ungenauer.

Was du bei der Zeiterfassung dokumentieren solltest

Eine gute Zeiterfassung enthält mehr als nur Datum und Stunden. Notiere auch:

  • Projektname / Kundenkürzel: Für die spätere Zuordnung zur Rechnung
  • Tätigkeit: Kurzbeschreibung (z.B. "Konzept erstellt", "Meeting mit Kunde", "Bug behoben")
  • Fakturierbar ja/nein: Nicht jede Stunde wird verrechnet — markiere interne Zeiten separat
  • Fortschritt: Kurze Notiz zum Status — hilft bei langen Projekten den Überblick zu behalten

Diese Informationen sind später auch wertvoll für die Leistungsbeschreibung auf deiner Rechnung oder Honorarnote. Je detaillierter du dokumentierst, desto weniger Rückfragen gibt es vom Kunden.

Tipp: Zeiterfassung mit Rechnungsstellung verbinden

Mit Rechnito kannst du direkt aus deinen erfassten Stunden eine Honorarnote erstellen — Leistungsbeschreibung, Stundensatz und Gesamtbetrag werden automatisch berechnet.

SVS-Beiträge und ihr Einfluss auf den Stundensatz

Die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) ist der größte Einzelkostenfaktor, den viele EPU in Österreich unterschätzen. Wer die SVS-Logik nicht versteht, setzt seinen Stundensatz fast zwangsläufig zu niedrig an.

Wie die SVS-Berechnung funktioniert

Die SVS erhebt Beiträge auf Basis des Gewinns (Einnahmen minus Ausgaben). Im ersten Jahr zahlst du einen Mindestbeitrag (ca. € 160–180/Monat, je nach Jahr und Einstufung). Sobald dein erster Steuerbescheid vorliegt, erfolgt die Nachbemessung — und dann kann eine empfindliche Nachzahlung kommen, wenn du nicht vorgesorgt hast.

  • Beitragssatz gesamt: ca. 26,83% auf die Beitragsgrundlage (Gewinn)
  • Krankenversicherung: 7,65%
  • Pensionsversicherung: 18,50%
  • Unfallversicherung: Pauschale ca. € 130/Jahr

Praktisches Beispiel: Bei einem Gewinn von € 60.000/Jahr zahlst du ca. € 16.100 SVS-Beiträge. Das entspricht ca. € 1.340/Monat — ein Betrag, der in deinem Stundensatz vollständig abgedeckt sein muss.

Empfehlung: Lege von jedem eingehenden Honorar sofort 30–35% auf ein separates Konto zurück. Davon deckst du SVS-Beiträge und Einkommensteuer — ohne böse Überraschungen bei der Nachbemessung.

Alle Details zu Beitragssätzen, Mindestbeiträgen und Nachbemessung findest du in unserem SVS-Beiträge für EPU 2026 Guide.

Häufige Fragen zum Stundensatz

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Selbstständiger?

Grundformel: Stundensatz = (Jahreskosten + Jahresgehalt) / fakturierbare Stunden. Bei 1.200 fakturierbaren Stunden/Jahr, € 12.000 Betriebskosten und gewünschtem Nettoeinkommen von € 36.000: (12.000 + 48.000 SVS/ESt-Aufschlag + 36.000) / 1.200 = ca. € 80/Stunde. Faustregel: Dein Stundensatz sollte 2,5–3x deinem früheren Angestellten-Stundensatz betragen.

Was ist ein normaler Stundensatz für Freelancer in Österreich?

Die Bandbreite ist groß: IT-Freelancer erzielen € 80–150/Stunde, Grafiker € 60–100/Stunde, Berater € 100–200/Stunde, Übersetzer € 40–80/Stunde. Junior-Freelancer starten oft bei € 50–70/Stunde, erfahrene Spezialisten verlangen € 150+. Über Plattformen wie GULP oder Toptal sind auch € 200+/Stunde möglich.

Warum ist mein Stundensatz als Selbstständiger höher als als Angestellter?

Als Selbstständiger hast du deutlich mehr Kosten: SVS-Beiträge (ca. 26,83% des Gewinns), keine Urlaubsansprüche bezahlt vom Auftraggeber, Akquisitionszeit, Betriebskosten (Software, Büro, Versicherungen), Ausfallzeiten zwischen Projekten und das allgemeine Unternehmerrisiko. Typisch: 30–50% deiner Arbeitszeit ist nicht fakturierbar.

Wie kommuniziere ich eine Stundensatzerhöhung?

Am besten schriftlich, mit ausreichend Vorlauf (4–6 Wochen) und nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt. Begründe die Erhöhung nicht mit deinen Kosten, sondern mit deiner gestiegenen Erfahrung und dem Mehrwert, den du lieferst. Beispiel: 'Ab 1. Jänner beträgt mein Stundensatz € X. Das spiegelt meine gestiegene Expertise im Bereich Y wider.' Bestandskunden bekommen oft ein paar Wochen Übergangszeit.

Soll ich meinen Stundensatz auf der Website veröffentlichen?

Es kommt auf deine Zielgruppe an. Für kleinere Projekte und Privatkunden kann Transparenz Vertrauen schaffen und unpassende Anfragen filtern. Im B2B-Consulting ist es hingegen oft besser, keinen fixen Satz zu nennen — Preise werden individuell verhandelt. Wenn du einen Preis nennst, nenn ihn als 'ab € X' und lass Spielraum für komplexere Projekte.

Wie hoch sollte mein Stundensatz für öffentliche Auftraggeber sein?

Öffentliche Auftraggeber (Bund, Länder, Gemeinden) zahlen oft nach fixen Tagessätzen, die in Vergaberichtlinien festgelegt sind. Diese liegen je nach Leistungsart zwischen € 600 und € 1.500/Tag. Informiere dich über die aktuellen Rahmenverträge des Bundes (BBG) oder der jeweiligen Vergabestelle. Wichtig: Öffentliche Auftraggeber verlangen oft den Nettopreis mit separater USt-Ausweisung.

Was ist ein Tagessatz und wann ist er besser als ein Stundensatz?

Ein Tagessatz ist dein Stundensatz multipliziert mit 7 oder 8 Stunden. Er ist sinnvoll, wenn du für längere Einsätze beim Kunden buchbar bist (z.B. Consulting, IT-Projekte). Vorteile: Einfachere Abrechnung, weniger Diskussion über einzelne Stunden, höhere Planbarkeit. Typische Tagessätze in Österreich: € 600–800 (Junior), € 900–1.500 (Senior), € 1.500+ (Experte/Führungskraft).

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