Zu niedrig angesetzt — du arbeitest viel und verdienst zu wenig. Zu hoch — du bekommst keine Aufträge. Dieser Guide zeigt dir, wie du deinen Stundensatz in Österreich realistisch berechnest.
Auf einen Blick
Stundensatz = (Jahreskosten + Zielgehalt + Aufschlag für Ausfallzeit) ÷ fakturierbare Stunden. Faustregel für Österreich: 2,5–3x deinen früheren Angestellten-Stundensatz. Dazu Marktcheck: Was verlangen andere in deiner Branche?
Viele Selbstständige in Österreich — besonders am Anfang — setzen ihren Stundensatz zu niedrig an. Das Ergebnis: Zu viel Arbeit, zu wenig Einkommen, keine Rücklagen für schlechte Monate. Ein realistischer Stundensatz berücksichtigt alle Kosten, die Angestellte gar nicht sehen: SVS-Beiträge, Steuern, Betriebskosten, Akquisitionszeit und das Risiko von Auftragslücken.
Die gute Nachricht: Ein zu hoher Stundensatz ist selten das Problem. Aufträge gehen fast nie allein wegen des Preises verloren — häufiger liegt es an unklarer Kommunikation des Wertes, fehlendem Vertrauen oder falscher Zielgruppe. Dieser Guide hilft dir, beides zu lösen: den richtigen Satz berechnen und ihn selbstbewusst vertreten.
Es gibt zwei Ansätze: Bottom-up (von deinen Kosten ausgehend) und Top-down (vom Marktpreis ausgehend). Der Bottom-up-Ansatz stellt sicher, dass du nicht unter deinen Kosten arbeitest. Der Top-down-Ansatz stellt sicher, dass du marktfähig bist. Idealerweise machst du beides und vergleichst — der höhere Wert ist dein Ziel-Stundensatz.
Stundensatz = Gesamtkosten pro Jahr ÷ fakturierbare Stunden pro Jahr
Ein Jahr hat ca. 1.760 Arbeitsstunden (220 Tage × 8 Std.). Davon sind aber nicht alle fakturierbar:
Realistisch fakturierbar: ca. 1.000–1.300 Stunden/Jahr (bei 40h-Woche). Viele Freelancer rechnen mit 1.000–1.200 Stunden als Basis.
Was willst du netto pro Monat verdienen? Merke: Du bekommst kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Wenn du € 2.500 netto/Monat anstrebst, brauchst du ca. € 60.000–70.000 Brutto-Jahresumsatz (je nach SVS-Beitrag und Betriebskosten).
Das ist der Mindestsatz. Mit einem Marktaufschlag (Erfahrung, Nachfrage) und Puffer für Verhandlungen empfiehlt sich ein Angebotspreis von € 75–90/Stunde.
| Branche | Junior | Senior |
|---|---|---|
| IT / Software-Entwicklung | € 70–90 | € 100–150 |
| Webdesign / UX | € 55–75 | € 85–120 |
| Unternehmensberatung | € 90–120 | € 150–250 |
| Marketing / SEO | € 50–70 | € 80–130 |
| Grafikdesign | € 45–65 | € 70–100 |
| Übersetzung / Texterstellung | € 35–50 | € 60–90 |
| Fotografie / Video | € 50–70 | € 80–120 |
| Buchhaltung / Steuerberatung | € 60–80 | € 100–160 |
Diese Richtwerte gelten für den österreichischen Markt. Projektarbeit über internationale Plattformen (Toptal, Upwork, GULP) ermöglicht oft 20–40% höhere Sätze, da die Konkurrenz europaweit besteht.
Den Stundensatz einmal festzulegen reicht nicht. Wer seinen Satz drei Jahre lang nicht anhebt, verliert real an Kaufkraft — und signalisiert dem Markt, dass seine Leistung gleich geblieben ist, obwohl Erfahrung und Expertise gewachsen sind.
Die Faustregel: Erhöhe deinen Stundensatz jedes Jahr um mindestens die Inflationsrate. 2024 und 2025 lag diese in Österreich bei 3–5%. Das bedeutet: Ein Satz von € 80/h sollte in zwei Jahren auf mindestens € 87–88/h steigen, nur um die Kaufkraft zu erhalten. Dazu kommt der Aufschlag für wachsende Expertise und Marktreputation.
Bei neuen Kunden gilt der aktuelle Marktpreis sofort. Du musst deinen neuen Satz nicht rechtfertigen — er ist einfach dein Preis. Neue Kunden kennen deinen alten Satz nicht.
Bei Bestandskunden ist Fingerspitzengefühl gefragt. Hier gilt:
Muster-E-Mail (anpassbar):
"Liebe/r [Name], ich freue mich, auch weiterhin für Sie tätig zu sein. Ab dem 1. [Monat/Jahr] passe ich meinen Stundensatz auf € [X] netto an. Das spiegelt meine gestiegene Erfahrung sowie die allgemeine Marktentwicklung wider. Laufende Projekte führen wir selbstverständlich zu den bisherigen Konditionen zu Ende. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung."
Tipp: Kein "leider", kein "muss ich leider mitteilen" — selbstbewusst formulieren.
Gut verhandelte Angebote sind die Voraussetzung für jede Preiserhöhung. Wie du ein professionelles Angebot schreibst, erklärt unser Angebot-schreiben-Guide.
Den richtigen Stundensatz zu kennen ist eine Sache — ihn auch durchzusetzen eine andere. Viele Freelancer unterschätzen, wie viel Spielraum in Preisverhandlungen steckt. Mit den richtigen Techniken kannst du deinen Wunschsatz häufiger erzielen.
Wer zuerst eine Zahl nennt, setzt den Anker für die gesamte Verhandlung. Nenn deinen Wunschstundensatz — nicht deinen Mindestsatz. Wenn du € 100/h anstrebst, starte bei € 110–115/h. So hast du Spielraum für Zugeständnisse und landest trotzdem wo du hinwolltest.
Ein fixer Projektsatz ("Ihr neuer Webauftritt inkl. 3 Seiten, Copy und Abnahme: € 3.500 netto") vermeidet die Stunden-Diskussion vollständig. Der Kunde kauft ein Ergebnis, nicht Zeit. Wenn du schneller wirst mit der Zeit, steigt dein effektiver Stundensatz automatisch — ohne dass der Kunde es merkt.
"Ich muss die SVS-Beiträge bezahlen" oder "meine Miete ist gestiegen" sind keine überzeugenden Argumente für einen Kunden. Er kauft Wert, nicht deine Fixkosten. Begründe deinen Preis immer mit dem Nutzen für den Kunden:
Nach jeder mündlichen Einigung: sofort schriftlich bestätigen. Eine kurze E-Mail mit "Wie besprochen, starte ich am [Datum] zu € [X]/h netto" schützt vor Missverständnissen und setzt den Rahmen für die spätere Rechnung. Noch besser: ein formales Angebot mit Unterschrift oder digitaler Bestätigung.
Dein intern berechneter Mindestsatz sagt dir, unter welchem Preis du nicht gehen kannst. Aber er sagt dir nicht, was der Markt bereit ist zu zahlen. Dafür brauchst du Marktrecherche.
Je enger deine Nische, desto höher dein Stundensatz. Ein "React-Entwickler" konkurriert mit tausenden anderen. Ein "React-Entwickler spezialisiert auf Fintech-Compliance-UIs in Österreich" hat kaum direkte Konkurrenten und kann entsprechend mehr verlangen.
Positionierungs-Strategie für Stundensatzerhöhungen:
Ein durchdachtes Angebot ist der erste Schritt zur richtigen Positionierung. Unser Leitfaden zum Angebotsschreiben zeigt dir, wie du Wert kommunizierst — nicht nur Preis.
Als Alternative zum Stundensatz gibt es:
Der Tagessatz ist im österreichischen B2B-Markt besonders verbreitet, weil er für beide Seiten einfach zu planen ist. Für längere Projekteinsätze (mehrere Tage pro Woche beim Kunden) ist er dem Stundensatz fast immer vorzuziehen.
| Modell | Geeignet für | Risiko |
|---|---|---|
| Stundensatz | Laufende Zusammenarbeit, unklarer Scope | Diskussionen über einzelne Stunden |
| Tagessatz | Vor-Ort-Einsätze, IT-/Beratungsprojekte | Halbe Tage schwer abzurechnen |
| Projektpreis | Klar definiertes Ergebnis (Website, Logo) | Scope-Creep frisst Marge |
| Retainer | Laufende SEO, Social, Buchhaltung | Leistungsumfang klar definieren |
Auf deiner Rechnung musst du den Stundensatz transparent darstellen:
Mit Rechnito erstellst du professionelle Honorarnoten und Rechnungen in Minuten — mit automatischer MwSt-Berechnung und PDF-Download. Mehr zur Honorarnote erklärt unser Honorarnote-Guide.
Die Umsatzsteuer ist einer der häufigsten Stolpersteine für neu gegründete EPU. Ob und wie du USt ausweist, hat direkte Auswirkungen auf deinen effektiven Stundensatz und die Preisgestaltung gegenüber Kunden.
Liegt dein Jahresumsatz unter der Kleinunternehmergrenze (2026: € 42.000 netto), bist du von der Umsatzsteuer befreit. Das bedeutet: Du stellst keine USt in Rechnung und kannst auch keine Vorsteuer geltend machen.
Wichtig: Auch als Kleinunternehmer musst du deinen Stundensatz so kalkulieren, dass er wettbewerbsfähig ist. Kunden im B2B-Bereich (die selbst vorsteuerabzugsberechtigt sind) zahlen bei dir effektiv 20% weniger als bei einem regelbesteuerten Konkurrenten — das kann ein Vorteil sein, den du im Angebot hervorheben kannst.
Mehr zu den steuerlichen Auswirkungen für Kleinunternehmer erklärt unser Kleinunternehmer-Steuern-Guide.
Bist du regelbesteuert (Umsatz über € 42.000 oder freiwillig optiert), weist du 20% USt auf deinen Netto-Stundensatz aus. Das heißt:
Als Selbstständiger behältst du die € 100 netto — die € 20 USt führst du an das Finanzamt ab (via FinanzOnline, monatlich oder quartalsweise). Im Gegenzug erhältst du die Vorsteuer auf deine eigenen Betriebsausgaben zurück.
Tipp: Berechne deinen Stundensatz immer auf Nettobasis und füge die USt separat hinzu. So vermeidest du, dass du beim Jahresabschluss feststellst, dass du 20% deines Umsatzes ans Finanzamt abführen musst, ohne es einkalkuliert zu haben.
Einen detaillierten Überblick über SVS-Beiträge und deren Berechnung findest du in unserem SVS-Guide für EPU 2026.
Bevor du deinen Stundensatz in Angeboten und Rechnungen verwendest, prüfe diese Punkte:
Ein präziser Stundensatz nützt wenig, wenn du nicht weißt, wie viele Stunden du tatsächlich pro Projekt arbeitest. Zeiterfassung ist die Grundlage für korrekte Rechnungsstellung, Nachkalkulation und die Optimierung deines Stundensatzes über die Zeit.
Ohne Zeiterfassung weißt du nach einem Projekt nicht, ob du Geld verdient oder draufgelegt hast. Die Nachkalkulation — also der Vergleich von geplantem und tatsächlichem Aufwand — ist der wichtigste Input für deinen nächsten Stundensatz:
Empfehlung: Erfasse Zeit nicht stündlich, sondern in Blöcken von 15–30 Minuten. Starte die Zeiterfassung sofort wenn du mit einem Projekt anfängst — im Nachhinein rekonstruieren kostet mehr Zeit und ist ungenauer.
Eine gute Zeiterfassung enthält mehr als nur Datum und Stunden. Notiere auch:
Diese Informationen sind später auch wertvoll für die Leistungsbeschreibung auf deiner Rechnung oder Honorarnote. Je detaillierter du dokumentierst, desto weniger Rückfragen gibt es vom Kunden.
Tipp: Zeiterfassung mit Rechnungsstellung verbinden
Mit Rechnito kannst du direkt aus deinen erfassten Stunden eine Honorarnote erstellen — Leistungsbeschreibung, Stundensatz und Gesamtbetrag werden automatisch berechnet.
Die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) ist der größte Einzelkostenfaktor, den viele EPU in Österreich unterschätzen. Wer die SVS-Logik nicht versteht, setzt seinen Stundensatz fast zwangsläufig zu niedrig an.
Die SVS erhebt Beiträge auf Basis des Gewinns (Einnahmen minus Ausgaben). Im ersten Jahr zahlst du einen Mindestbeitrag (ca. € 160–180/Monat, je nach Jahr und Einstufung). Sobald dein erster Steuerbescheid vorliegt, erfolgt die Nachbemessung — und dann kann eine empfindliche Nachzahlung kommen, wenn du nicht vorgesorgt hast.
Praktisches Beispiel: Bei einem Gewinn von € 60.000/Jahr zahlst du ca. € 16.100 SVS-Beiträge. Das entspricht ca. € 1.340/Monat — ein Betrag, der in deinem Stundensatz vollständig abgedeckt sein muss.
Empfehlung: Lege von jedem eingehenden Honorar sofort 30–35% auf ein separates Konto zurück. Davon deckst du SVS-Beiträge und Einkommensteuer — ohne böse Überraschungen bei der Nachbemessung.
Alle Details zu Beitragssätzen, Mindestbeiträgen und Nachbemessung findest du in unserem SVS-Beiträge für EPU 2026 Guide.
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Selbstständiger?
Grundformel: Stundensatz = (Jahreskosten + Jahresgehalt) / fakturierbare Stunden. Bei 1.200 fakturierbaren Stunden/Jahr, € 12.000 Betriebskosten und gewünschtem Nettoeinkommen von € 36.000: (12.000 + 48.000 SVS/ESt-Aufschlag + 36.000) / 1.200 = ca. € 80/Stunde. Faustregel: Dein Stundensatz sollte 2,5–3x deinem früheren Angestellten-Stundensatz betragen.
Was ist ein normaler Stundensatz für Freelancer in Österreich?
Die Bandbreite ist groß: IT-Freelancer erzielen € 80–150/Stunde, Grafiker € 60–100/Stunde, Berater € 100–200/Stunde, Übersetzer € 40–80/Stunde. Junior-Freelancer starten oft bei € 50–70/Stunde, erfahrene Spezialisten verlangen € 150+. Über Plattformen wie GULP oder Toptal sind auch € 200+/Stunde möglich.
Warum ist mein Stundensatz als Selbstständiger höher als als Angestellter?
Als Selbstständiger hast du deutlich mehr Kosten: SVS-Beiträge (ca. 26,83% des Gewinns), keine Urlaubsansprüche bezahlt vom Auftraggeber, Akquisitionszeit, Betriebskosten (Software, Büro, Versicherungen), Ausfallzeiten zwischen Projekten und das allgemeine Unternehmerrisiko. Typisch: 30–50% deiner Arbeitszeit ist nicht fakturierbar.
Wie kommuniziere ich eine Stundensatzerhöhung?
Am besten schriftlich, mit ausreichend Vorlauf (4–6 Wochen) und nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt. Begründe die Erhöhung nicht mit deinen Kosten, sondern mit deiner gestiegenen Erfahrung und dem Mehrwert, den du lieferst. Beispiel: 'Ab 1. Jänner beträgt mein Stundensatz € X. Das spiegelt meine gestiegene Expertise im Bereich Y wider.' Bestandskunden bekommen oft ein paar Wochen Übergangszeit.
Soll ich meinen Stundensatz auf der Website veröffentlichen?
Es kommt auf deine Zielgruppe an. Für kleinere Projekte und Privatkunden kann Transparenz Vertrauen schaffen und unpassende Anfragen filtern. Im B2B-Consulting ist es hingegen oft besser, keinen fixen Satz zu nennen — Preise werden individuell verhandelt. Wenn du einen Preis nennst, nenn ihn als 'ab € X' und lass Spielraum für komplexere Projekte.
Wie hoch sollte mein Stundensatz für öffentliche Auftraggeber sein?
Öffentliche Auftraggeber (Bund, Länder, Gemeinden) zahlen oft nach fixen Tagessätzen, die in Vergaberichtlinien festgelegt sind. Diese liegen je nach Leistungsart zwischen € 600 und € 1.500/Tag. Informiere dich über die aktuellen Rahmenverträge des Bundes (BBG) oder der jeweiligen Vergabestelle. Wichtig: Öffentliche Auftraggeber verlangen oft den Nettopreis mit separater USt-Ausweisung.
Was ist ein Tagessatz und wann ist er besser als ein Stundensatz?
Ein Tagessatz ist dein Stundensatz multipliziert mit 7 oder 8 Stunden. Er ist sinnvoll, wenn du für längere Einsätze beim Kunden buchbar bist (z.B. Consulting, IT-Projekte). Vorteile: Einfachere Abrechnung, weniger Diskussion über einzelne Stunden, höhere Planbarkeit. Typische Tagessätze in Österreich: € 600–800 (Junior), € 900–1.500 (Senior), € 1.500+ (Experte/Führungskraft).
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