📅 28. März 2026🕐 9 Min. Lesezeit🏷️ Freie Berufe

Freier Dienstnehmer Rechnung Österreich 2026: Abrechnung, Steuern & SVS

Als freier Dienstnehmer in Österreich hast du besondere Pflichten bei der Rechnungsstellung. Was musst du ausweisen? Wann zahlst du Umsatzsteuer? Und wie läuft die SVS-Beitragspflicht? Alles erklärt.

⚡ TL;DR — Das Wichtigste

  • Freie Dienstnehmer müssen Rechnungen ausstellen — mit allen §11 UStG-Pflichtangaben.
  • Unter der Kleinunternehmergrenze (55.000 €/Jahr ab 2025): keine USt ausweisen.
  • SVS-Pflicht ab ca. 6.221 €/Jahr — selbst abführen, nicht über Auftraggeber!
  • Kein Gewerbe nötig für typische freie Dienstverträge (Beratung, IT, Kreativleistungen).

1. Was ist ein freier Dienstvertrag?

Der freie Dienstvertrag ist eine österreichische Besonderheit. Er liegt zwischen einem echten Dienstvertrag (Angestellter) und einem Werkvertrag (EPU/Unternehmer):

MerkmalDienstvertragFreier DienstvertragWerkvertrag (EPU)
WeisungsgebundenheitJa (stark)TeilweiseNein
Persönliche ArbeitspflichtJaJaNein
Schuldet manArbeitsleistungArbeitsleistungErfolg/Werk
SV-PflichtASVG (Auftraggeber zahlt)SVS (selbst zahlen)SVS (selbst zahlen)
Urlaub, KrankenstandJa (gesetzlich)NeinNein

⚠️ Scheinselbstständigkeit: Wenn ein freier Dienstvertrag in Wirklichkeit einem Dienstverhältnis entspricht (feste Arbeitszeiten, ausschließlich ein Auftraggeber, Arbeitsmittel vom Auftraggeber), kann die Finanz oder SVS eine Umqualifizierung vornehmen — mit Nachzahlungen. Im Zweifel: Rechtsanwalt oder Steuerberater fragen.

2. Rechnungspflichten für freie Dienstnehmer

Als freier Dienstnehmer bist du Unternehmer im Sinne des UStG und musst für deine Leistungen Rechnungen ausstellen. Die Pflichtangaben sind dieselben wie bei jedem EPU:

1

Dein vollständiger Name und Adresse

Als freier Dienstnehmer im Privatrecht: Vor- und Nachname, Wohnadresse (außer du hast eine Geschäftsadresse).

2

Name und Adresse des Auftraggebers

Vollständiger Firmenname und Adresse deines Auftraggebers.

3

Ausstellungsdatum

Datum der Rechnungsausstellung.

4

Fortlaufende Rechnungsnummer

Eindeutige, fortlaufende Nummer. Format: 2026-001, 2026-002 etc.

5

Leistungsbeschreibung

Was hast du geleistet? Z.B. 'IT-Entwicklung Februar 2026, 40 Stunden à €50/h'.

6

Leistungszeitraum

Wann wurde die Leistung erbracht? Bei monatlicher Abrechnung: den Monat angeben.

7

Betrag

Nettobetrag und (falls USt-pflichtig) Steuerbetrag + Bruttobetrag.

8

Steuerhinweis

Entweder: USt-Ausweis (20%) oder Kleinunternehmer-Befreiungshinweis.

3. Umsatzsteuer: Wann ausweisen?

Ob du Umsatzsteuer ausweist, hängt von deinem Jahresumsatz ab:

✅ Unter 55.000 €/Jahr

Kleinunternehmerregelung (ab 2025)

  • Keine USt ausweisen
  • Kein Vorsteuerabzug
  • Einfachere Abrechnung
Pflichthinweis: "Gemäß §6 Abs. 1 Z 27 UStG bin ich als Kleinunternehmer von der Umsatzsteuer befreit."

📊 Über 55.000 €/Jahr

Regelbesteuerung

  • 20% USt ausweisen
  • UID-Nummer beantragen
  • Monatliche/quartalsweise UVA
  • Vorsteuerabzug möglich

Wichtig: Die 55.000 €-Grenze gilt seit 2025 (vorher 35.000 €). Schau nach, welches Jahr für dich relevant ist. Überschreitest du die Grenze im Laufe des Jahres, musst du ab dem Folgejahr USt ausweisen.

4. SVS-Beiträge für freie Dienstnehmer

Das ist der wichtigste Unterschied zur Anstellung: Als freier Dienstnehmer bist du selbst für deine Sozialversicherung verantwortlich. Dein Auftraggeber hält (im Gegensatz zu einem Angestellten-Verhältnis) keine Beiträge ein.

SVS-Beitragssätze 2026 (freie Dienstnehmer)

VersicherungszweigBeitragssatz
Krankenversicherung7,65%
Pensionsversicherung18,50%
Unfallversicherung (Pauschale)ca. €12/Monat
Gesamt ca.~26–28% des Nettoeinkommens

Wann setzt die SVS-Pflicht ein?

  • Geringfügigkeitsgrenze 2026: ca. 518,44 €/Monat (= ca. 6.221 €/Jahr). Darunter: keine SVS-Pflicht.
  • Darüber: vollständige SVS-Beitragspflicht (KV + PV + UV)
  • Vorauszahlungen an SVS, Jahresabrechnung auf Basis des tatsächlichen Einkommens

🔑 Praxis-Tipp: Kalkuliere beim Setzen deines Stundensatzes die SVS-Beiträge (ca. 27%) und die Einkommensteuer (abhängig von deinem Gesamteinkommen) mit ein. Ein Honorar von €50/h ergibt netto deutlich weniger als €50. Als Faustregel: Brutto-Honorar × 0,65 = ungefähres Nettoeinkommen nach SVS und Steuern.

5. Einkommensteuer und Jahresausgleich

Als freier Dienstnehmer bist du zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, sobald dein Jahreseinkommen die Freigrenze übersteigt.

Einkommensteuertarif Österreich 2026 (Auszug)

EinkommenSteuersatz
bis ca. 12.756 €0% (Freigrenze)
12.756 – 20.818 €20%
20.818 – 34.513 €30%
34.513 – 66.612 €40%
über 66.612 €48–55%

Du kannst Betriebsausgaben abziehen, die mit deiner freien Dienstnehmer-Tätigkeit zusammenhängen: Büromaterial, Software, Laptop (anteilig), Fachliteratur, Fortbildungskosten, Homeoffice-Pauschale. Das reduziert dein zu versteuerndes Einkommen.

6. Muster-Rechnung freier Dienstnehmer

📄 Muster: Freier Dienstnehmer — Kleinunternehmer (ohne USt)

Max Muster

IT-Dienstleistungen

Hauptstraße 5/3

4020 Linz, Österreich

Tel: +43 664 987654

E-Mail: max@muster.at

RECHNUNG

Nr.: 2026-003

Datum: 28.03.2026

Leistungszeitraum: März 2026

Auftraggeber:

Musterfirma GmbH

Firmenstraße 1, 4020 Linz

BeschreibungStundenSatzBetrag
Softwareentwicklung, Projekt XY40 h€ 50,00€ 2.000,00
Gesamtbetrag:€ 2.000,00
Gemäß §6 Abs. 1 Z 27 UStG bin ich als Kleinunternehmer von der Umsatzsteuer befreit.

Zahlbar bis: 11.04.2026 (14 Tage)

IBAN: AT12 3456 7890 1234 5678 · BIC: XXXXATWW

Verwendungszweck: 2026-003

7. Freier Dienstnehmer vs. EPU — was ist besser?

Für Steuern und Rechnungsstellung gibt es wenig Unterschied. Die wichtigeren Unterschiede sind rechtlicher Natur:

Freier Dienstvertrag — Wann sinnvoll?

  • Ein Hauptauftraggeber
  • Leistungen ohne Werkcharakter
  • Kein Gewerbe anmelden nötig
  • Kein Urlaub, keine Entgeltfortzahlung
  • Abhängigkeit vom Auftraggeber

EPU — Wann sinnvoll?

  • Mehrere Kunden
  • Vollständige unternehmerische Freiheit
  • Klares Unternehmerbild nach außen
  • Gewerbeschein nötig (oft)
  • Etwas mehr administrativer Aufwand

8. Häufige Fehler bei freien Dienstnehmern

SVS-Beiträge vergessen

Der häufigste und teuerste Fehler. SVS-Beiträge fällen vierteljährlich an — wer nicht vorsorgt, steht im Jänner des Folgejahres vor einer hohen Nachzahlung. Monatlich 27% des Honorars auf Seite legen.

Kein Kleinunternehmer-Hinweis

Wer unter 55.000 €/Jahr bleibt und keine USt ausweist, muss den gesetzlichen Befreiungshinweis auf der Rechnung haben. Sonst: formal unvollständig.

Zu ungenaue Leistungsbeschreibung

"IT-Dienstleistungen" ist zu vage. Besser: "Backend-Entwicklung für Projekt X, März 2026, 40 Stunden". Für eventuelle Steuerprüfungen wichtig.

Scheinselbstständigkeit nicht beachten

Wer nur einen Auftraggeber hat, feste Zeiten einhalten muss und nur mit Arbeitsmitteln des Auftraggebers arbeitet, riskiert eine Umqualifizierung in ein Dienstverhältnis — mit Nachzahlungen für alle Beteiligten.

Weiterführende Ratgeber

9. FAQ

Muss ein freier Dienstnehmer Rechnungen ausstellen?

Ja. Freie Dienstnehmer sind Unternehmer nach UStG und müssen Rechnungen mit allen Pflichtangaben nach §11 UStG ausstellen.

Zahlen freie Dienstnehmer SVS-Beiträge?

Ja, ab ca. 6.221 €/Jahr Einkommen. Die Beiträge (KV + PV + UV) betragen ca. 27% des Einkommens und müssen selbst an die SVS abgeführt werden.

Was ist der Unterschied zwischen freiem Dienstnehmer und EPU?

Rechtlich: Der freie Dienstnehmer schuldet Arbeitsleistung (kein Erfolg), kein Gewerbe nötig. EPU ist Gewerbetreibender mit vollständiger Unternehmerstellung. Steuerlich und bei der Rechnungsstellung gibt es kaum Unterschiede.

Müssen freie Dienstnehmer ein Gewerbe anmelden?

Für echte freie Dienstverträge (Beratung, IT, kreative Leistungen) nein. Bei gewerblichen Tätigkeiten ja.

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