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SVS10 Min. LesezeitApril 2026

Krankenstand als Selbstständiger in Österreich 2026: Kein Krankengeld, SVS & Absicherung

Als Selbstständiger oder EPU in Österreich trägt man ein Risiko, das viele unterschätzen: Im Krankenstand gibt es kein Krankengeld. Die Rechnungen laufen weiter, der Umsatz bricht weg. Dieser Guide erklärt, wie die SVS-Krankenversicherung wirklich funktioniert, welche Lücken bestehen und welche privaten Absicherungen sinnvoll sind.

Zuletzt aktualisiert: April 2026

1. Das große Problem: Kein Krankengeld für Selbstständige

Unselbstständig Beschäftigte erhalten bei Krankheit vom ersten Tag an Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber und ab dem 4. Tag zusätzlich Krankengeld von der ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse). Für Selbstständige gilt das nicht.

Als SVS-Versicherter (Gewerbetreibender oder Neuer Selbstständiger) bist du zwar krankenversichert — aber die Krankenversicherung der SVS kennt keinen Einkommensersatz bei Krankheit. Du erhältst Sachleistungen (Arzt, Spital, Medikamente), aber keinen Cent als Ausgleich für entgangene Einnahmen.

⚠️ Realität im Krankenstand

Tag 1 krank: Keine Einnahmen, aber SVS-Beiträge, Miete, Versicherungen und Betriebskosten laufen weiter. Für viele EPU ist selbst eine 2-wöchige Erkrankung ein existenzielles Problem — ohne Vorbereitung.

2. SVS-Krankenversicherung: Was ist inkludiert?

Selbstständige zahlen im Rahmen ihrer SVS-Beiträge auch Krankenversicherungsbeiträge (ca. 6,80% der Beitragsgrundlage). Dafür erhalten sie folgende Sachleistungen:

LeistungInkludiert?Anmerkung
Kassenarzt (Allgemeinmedizin)✅ JaOhne Selbstbehalt
Facharzt (Kassenordination)✅ JaOhne Selbstbehalt
Spital (allg. Gebührenklasse)✅ JaInkl. Pflegegebühr (€15,55/Tag)
Medikamente (Kassenrezept)✅ JaRezeptgebühr €7,10/Packung
Physiotherapie✅ JaNur nach Bewilligung, Kostenbeteiligung
Krankentransport✅ JaMit ärztlicher Notwendigkeit
Krankengeld (Einkommensersatz)❌ NeinGrößte Lücke!
Wochengeld (Mutterschaft)✅ JaFür SVS-versicherte Frauen
Wahlarztkostenerstattung⚠️ Teilw.Reduzierter Tarif

💡 KV-Beitragssatz SVS 2026

Der Krankenversicherungsbeitrag beträgt 6,80% der Beitragsgrundlage. Bei der Mindestbeitragsgrundlage (~€518/Monat) sind das ca. €35/Monat rein für KV. Bei einem Gewinn von €40.000/Jahr etwa €225/Monat.

3. Was kostet ein Krankenstand wirklich?

Der finanzielle Schaden eines Krankenstands setzt sich aus zwei Teilen zusammen: entgangenen Einnahmen und weiterlaufenden Fixkosten.

Beispiel: IT-Freelancer, €60.000 Jahresumsatz

KennzahlBetrag
Tagesumsatz (250 Arbeitstage)€240/Tag
SVS-Beiträge laufendca. €500/Monat
Betriebskosten (Büro, Software etc.)ca. €300/Monat
1 Woche Krankenstand (5 Tage)-€1.200 + laufende Kosten
1 Monat Krankenstand-€5.000 + €800 Fixkosten = -€5.800

Die Zahlen zeigen: Ein einmonatiger Krankenstand kann schnell einen Schaden von €5.000–€8.000 verursachen — je nach Einkommensniveau. Ohne Rücklagen oder Versicherung ist das für viele EPU nicht tragbar.

4. Private Absicherung: Krankentagegeld und Berufsunfähigkeit

Für Selbstständige gibt es zwei zentrale private Versicherungsprodukte zur Absicherung im Krankheitsfall:

🏥 Krankentagegeldversicherung

Zahlt einen täglichen Betrag bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall.

  • • Wartezeit: typisch ab Tag 4, 8 oder 15 (selbst wählbar)
  • • Tagegeld: €50–€200/Tag (je nach gewählter Höhe)
  • • Laufzeit: meist bis 730 Tage pro Erkrankung
  • • Prämie: ca. €40–€180/Monat (abhängig von Alter, Gesundheit, Höhe)
  • • Als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar

🦺 Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Zahlt eine monatliche Rente, wenn du dauerhaft nicht mehr in deinem Beruf arbeiten kannst (typisch: 50% oder mehr Erwerbsminderung).

  • • Empfehlenswert: Absicherung bis zum Pensionsantrittsalter
  • • Rente: typisch €1.500–€3.000/Monat
  • • Prämie: stark alters- und berufsabhängig
  • • Abschluss so früh wie möglich (Prämie steigt mit Alter)
  • • Wichtig: "Abstrakte Verweisung" ausschließen!

💡 Unfallversicherung

Die SVS-Unfallversicherung deckt nur Berufsunfälle und Berufskrankheiten — keine Freizeitunfälle. Eine private Unfallversicherung schließt diese Lücke. Prämien ab ca. €8–20/Monat.

⚠️ Worauf achten beim Abschluss

  • • Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten (Leistungsausschluss sonst möglich)
  • • Karenzzeit: Manche Versicherungen zahlen erst nach 3–6 Monaten Laufzeit
  • • Vorerkrankungen können zu Ausschlüssen oder höheren Prämien führen
  • • Beratung durch unabhängigen Versicherungsmakler empfehlenswert

5. Rücklagen bilden: So viel brauchst du als EPU

Selbst mit Krankentagegeldversicherung gibt es eine Wartezeit (z.B. die ersten 7 Tage). Für diese Zeit und für größere Ausgaben (z.B. Zuzahlungen, Ersatzleistungen) brauchst du liquide Rücklagen.

✅ Empfohlene Rücklagenstruktur

  • Notgroschen (Stufe 1): 3 Monats-Fixkosten liquide auf Tagesgeldkonto. Diese Summe ist tabu außer im Notfall.
  • SVS-Rücklage (Stufe 2): Monatlich beiseitelegen für die jährliche SVS-Nachzahlung (ca. 15–20% des Gewinns).
  • Steuerrücklage (Stufe 3): 25–35% des Gewinns für Einkommensteuer und USt-Abfuhr zurückhalten.

Die einfachste Methode: Ein separates "Puffer-Konto" einrichten und bei jedem Zahlungseingang automatisch 20–30% überweisen. Das deckt SVS-Nachzahlung, Steuern und Krankenstand-Wartezeiten in einem.

6. SVS-Beiträge im Krankenstand

Eine häufige Frage: Kann man im Krankenstand die SVS-Beiträge reduzieren oder aussetzen? Die kurze Antwort: Nein, nicht sofort.

  • Vorauszahlungen laufen weiter: Die vorgeschriebenen Quartalsbeträge müssen zu den regulären Fälligkeitsterminen bezahlt werden.
  • Herabsetzungsantrag möglich: Du kannst bei der SVS einen Antrag auf Herabsetzung der vorläufigen Beitragsgrundlage stellen, wenn du nachweisen kannst, dass dein Einkommen in diesem Jahr wesentlich geringer sein wird. Das reduziert die Vorauszahlungen — aber erst nach Bewilligung.
  • Nachbemessung gleicht aus: Wenn du tatsächlich weniger verdient hast (wegen Krankheit), sinkt die endgültige Beitragsgrundlage. Das schlägt sich in der Nachbemessung nach Vorliegen des Einkommensteuerbescheids nieder.
  • Stundung bei Zahlungsschwierigkeiten: Bei ernsthaften finanziellen Problemen (z.B. langer Krankenstand) kann eine Ratenzahlung oder Stundung bei der SVS beantragt werden.

7. Längere Erkrankung: Berufsunfähigkeitspension und staatliche Hilfen

Bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit gibt es aus der SVS-Pensionsversicherung die Berufsunfähigkeitspension (für Gewerbetreibende) bzw. die Erwerbsunfähigkeitspension (für Neue Selbstständige).

💡 Voraussetzungen SVS-Berufsunfähigkeitspension

  • • Dauerhafte Berufsunfähigkeit von mindestens 50%
  • • Mindestversicherungszeit: je nach Alter 60–180 Beitragsmonate
  • • Kein Anspruch auf zumutbare andere Tätigkeit
  • • Antrag beim SVS stellen (ärztliches Gutachten erforderlich)

Das Problem: Die SVS-Berufsunfähigkeitspension ist niedrig — oft nur €600–€1.200/Monat, je nach Beitragsjahren. Sie reicht kaum zur Existenzsicherung. Daher ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige besonders wichtig.

8. Checkliste: Bin ich ausreichend abgesichert?

  • Ich habe 3 Monats-Fixkosten als Notgroschen auf einem separaten Konto
  • Ich habe eine Krankentagegeldversicherung (ab spätestens Tag 8)
  • Ich zahle monatlich aktiv in meine SVS-Rücklage ein
  • Meine Betriebskosten sind so schlank wie möglich (reduziertes Fixkosten-Risiko)
  • Ich habe bei der SVS einen Herabsetzungsantrag im Blick für Einkommenseinbrüche
  • Ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung geprüft oder abgeschlossen

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9. FAQ: Häufige Fragen zum Krankenstand als Selbstständiger

Haben Selbstständige in Österreich Anspruch auf Krankengeld?
Nein. Selbstständige, die bei der SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen) pflichtversichert sind, haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld. Im Gegensatz zu unselbstständig Beschäftigten, die ab dem 4. Krankheitstag Krankengeld von der ÖGK erhalten, gibt es für SVS-Versicherte diesen Einkommensersatz nicht. Selbstständige müssen sich daher privat absichern oder Rücklagen bilden.
Welche Krankenversicherungsleistungen erhalten Selbstständige von der SVS?
SVS-Versicherte erhalten Sachleistungen der Krankenversicherung: Arztbesuche (Kassenärzte), Spitalsbehandlung (allgemeine Gebührenklasse), Medikamente, Laboruntersuchungen, Physiotherapie nach Bewilligung und weitere medizinische Leistungen. Was fehlt, ist der Einkommensersatz (Krankengeld) für Ausfallstage. Außerdem ist der SVS-Beitrag auch im Krankenstand weiterzuzahlen — die Einnahmen fallen weg, die Fixkosten bleiben.
Was ist Krankentagegeld und wie funktioniert es?
Krankentagegeld ist eine private Zusatzversicherung, die einen täglichen Geldbetrag zahlt, wenn man arbeitsunfähig erkrankt ist. Selbstständige können eine Krankentagegeldversicherung bei einer privaten Versicherung abschließen. Die Höhe des Tagegeldes, die Wartezeit (typisch 3–7 Tage) und die maximale Bezugsdauer (meist bis 730 Tage) sind vertraglich festgelegt. Der Beitrag hängt vom gewünschten Tagegeld, dem Alter und dem Gesundheitszustand ab. Typischer Richtwert: €50–150/Tag gegen €50–200/Monat Prämie.
Muss ich im Krankenstand SVS-Beiträge weiterzahlen?
Ja. SVS-Beiträge sind unabhängig von Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit fällig. Die vorgeschriebenen Vorauszahlungen müssen zu den regulären Terminen (28.02., 31.05., 31.08., 30.11.) bezahlt werden. Nur wenn aufgrund der Krankheit keine Einkünfte erzielt werden, sinkt mittelfristig die Beitragsgrundlage — aber erst nach Vorliegen des Einkommensteuerbescheids und dann als Nachbemessung, nicht sofort. Im akuten Krankenstand laufen die Fixkosten unverändert weiter.
Gibt es staatliche Unterstützung für kranke Selbstständige?
In Österreich gibt es keine direkte staatliche Krankengeldzahlung für Selbstständige. Bei längerer Erkrankung (Invalidität) gibt es jedoch die SVS-Berufsunfähigkeitspension. Diese setzt voraus, dass man dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, im erlernten Beruf zu arbeiten, und setzt eine bestimmte Mindestversicherungszeit voraus. Kurzfristige Erkrankungen sind staatlich nicht abgedeckt — dafür ist Eigenvorsorge notwendig. In Härtefällen können Sozialhilfeleistungen der Bundesländer beantragt werden.
Was ist die empfohlene Rücklage für Selbstständige im Krankenfall?
Finanzexperten empfehlen Selbstständigen eine Liquiditätsreserve von mindestens 3 Monatsausgaben — also 3 × (persönliche Lebenshaltungskosten + Betriebskosten + SVS-Beiträge). Bei €3.000/Monat Fixkosten wären das €9.000 als Notgroschen. Zusätzlich sollte eine private Krankentagegeldversicherung abgeschlossen werden, die ab dem 4. oder 8. Krankheitstag zahlt und so die Rücklage schont.

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Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung. Für deine konkrete Situation empfehlen wir die Konsultation eines Steuerberaters und eines unabhängigen Versicherungsmaklers. Stand: April 2026.